Schnider Kristin T.

Kristin T. Schnider wurde 1960 in London als deutsche Staatsbürgerin geboren. Sie ist in Zürich aufgewachsen und lebte von 1978-1980 wieder in ihrer Geburtsstadt. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz war sie in verschiedenen Berufen tätig und arbeitete daneben im journalistischen Bereich. Schnider veröffentlichte schon seit Jahren Prosatexte in verschiedenen Literaturzeitschriften, ehe sie 1984 mit ihrer Teilnahme am Ingeborg Bachmann Wettbewerbe einem grösseren Publikum bekannt wurde. 1989 erschien ihr Debütroman „Die Kodiererin“, in welchem sie gegen unmenschliche Wohn- und Arbeitsverhältnisse anschreibt. Bereits das Manuskript des Buches wurde mit einem Preis bedacht. Seither hat Kristin T. Schnider weitere Werke verfasst und war Präsidentin des Deutschschweizer PEN-Zentrums. Seit 1997 lebt sie in Wassen (Kt.Uri), wo sie ein Atelier betreibt.

Werke:
  • Die Kodiererin. Roman. Frauenfeld: Nagel&Kimche, 1989
  • DIN-A. Ein Text. Zürich: Bilger, 1991
  • Ich wollte töten. Kurzgeschichtensammlung. Zürich: Bilger, 1994
  • NYSKY. Roman. Zürich: Bilger, 1996
  • Zeit – Skulptur. Volumen als Ereignis. Weitra: Bibliothek der Provinz, 1997

Auszeichnungen:
  • Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Klagenfurt (1984)
  • Stipendiantin Literarisches Colloquium Berlin (1986)
  • Migros-Werkbeitrag (1988)
  • Literaturpreis der Stadt Zürich (1990)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1993)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1994)
  • Förderbeitrag Danioth Ring, Uri (1999)
  • Aufenthaltsstipendium Stiftung Landis & Gyr (1999/2000)
  • Literaturpreis der Heinrich Danioth-Stiftung

Textausschnitt aus "Die Kodiererin" [S. 28-29]

Ihr ist heiss. Flüchtig grüsst sie die um die Handtrockner herumstehenden Frauen, sie wäscht sich oberflächlich die Hände, hält ihr Gesicht in den Wasserstrahl, sie trocknet die Hände nicht, sie hasst die lauten Trockengebläse, den lauwarmen Luftstrahl, sie muss sich beeilen, sie läuft durch die weiten dunklen Gänge des Untergeschosses bis zu einem der gelben Lifte. Gleich bin ich wieder Kodiererin. Sie wartet, ungeduldig. Gleich sitze ich wieder da. Und wäre ich Sekretärin, sähe ich dir das an? fragt sie ihr Spiegelbild im Lift. Sie schüttelt den Kopf. Eine Sekretärin ist ein nützlich` Ding. Die hier arbeiten, schlendern über den längsten aller Laufstege mit ihren schwarzen Slippern mit den hohen Keilabsätzen und blicken auf die Kodiererinnen und Zubieterinnen herab. Über die Sekretärinnen will sie nicht nachdenken. Geschwind setzt sie sich in den Kodiersessel, ignoriert den strengen Blick des Aufsehers im braunen Kittel, der breitbeinig auf dem kleinen Laufsteg über ihrem Arbeitsplatz steht. Sie denkt nichts mehr. Greift hinter sich und streift mit dem Blick die vor ihr ins Unendliche wachsenden Förderbänder.

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