Schmid Ulrich

Ulrich Schmid wurde am 19.7.1954 in Zürich geboren. Er absolvierte das Studium der Anglistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität in Zürich. In den russischen Umbruchsjahren 1990-1995 arbeitete er als NZZ-Korrespondent in Moskau. Bis ins Jahr 1999 war Schmid in derselben Funktion in Washington tätig. Ulrich Schmid lebt und arbeitet als Journalist in Peking. Schmids Romandebüt „Der Zar von Brooklyn“ wurde in der Kritik wohlwollend bewertet.

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www.spiegel.de/spiegel/print/d-15680713.html

Werke:
  • Wahlkampffinanzierung in den USA und in der Schweiz. Diessenhofen: Rüegger, 1985
  • Gnadenlose Bruderschaften. Aufstieg der russischen Mafia. Zürich: Verlag NZZ, 1996
  • Der Zar von Brooklyn. Roman. Berlin: Eichborn, 2000
  • Bürger statt Untertanen. Zürich: Vontobel-Stiftung, 2001

Auszeichnungen:
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (2000)

Textausschnitt aus "Der Zar von Brooklyn" [S. 59]

Ich hatte Mühe, Markows Blick auszuhalten. Er hielt seine geröteten, geschwollenen Augen auf mich gerichtet, als erwarte er ein Geständnis. Die Finger der linken Hand trommelten auf die Holzlehne seines Sessels. In seinen Mundwinkeln lag etwas Verächtliches. „Vergessen Sie nicht, sich einzuschenken, Alexander Michailowitsch. Sie entschuldigen mich, wenn ich das Ihnen überlasse. Ich bin unbeweglich geworden.“
„Natürlich. Danke. Nein, wissen Sie, ich soll einen Bericht über die Russen in Amerika schreiben, nicht über die Auswanderer der ersten Wellen, sondern über die, die Anfang der Neunziger hierherkamen. Wie Sie eben. Und da mir die Beresowskis-„
„Die Beresowskis haben Sie auf mich gehetzt, ja. Ich weiss. Und wer hat die Beresowskis auf mich gehetzt? Wissen Sie das auch? Was wissen Sie überhaupt, junger Mann?“ Er hustete und zog gierig an seiner Zigarette. Ich konnte kaum nachdenken, wenn ich ihn anschaute. Die Kraft, die von ihm ausging, hatte etwas Lähmendes. Sie war nicht vital, aber achtunggebietend. Schattig, kalt. Die Haut unter seinen Augen hatte sich zu knolligen grauen Flecken zusammengezogen. Manchmal verfinsterten sich seine buschigen Brauen, und mir war, als höre er nach innen. Seine Unterlippe und sein Kinn versteiften sich, wenn er ausatmete. Er musste Schmerzen haben.

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