Richner Karin

Karin Richner wurde am 13. August 1980 geboren. Nach der Primar- und der Bezirksschule besuchte sie die Neue Kantonsschule Aarau NKSA. Dann studierte sie an der Universität Basel Deutsch, Englisch und Geschichte. Von 2002 bis 2004 absolvierte sie die Höhere Pädagogische Lehranstalt Zofingen. 2008 erhielt sie für die Arbeit an Echolot Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums und der Pro Helvetia. Sie lebt in Rombach im Kanton Aargau. Karin Richner schreibt in einer sehr poetischen, bildhaften Sprache. Ihre meist einfachen, kurzen Sätze wollen dazu verleiten, auch zwischen den Zeilen zu lesen, damit sich der Inhalt der Leserin oder dem Leser ganz erschliessen kann.

Links
www.woz.ch/-7fa
www.nzz.ch/familiaere-abgruende-1.11353436

Werke:
  • Sind keine Seepferdchen: Roman. Zürich: bilgerverlag, 2006
  • Sieben Jahre Schlaf: Roman. Zürich: bilgerverlag, 2011
  • Echolot: Roman. Zürich: bilgerverlag, 2013

Auszeichnungen:
  • Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin LCB (2007)
  • Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums (2008)
  • Werkbeitrag der Pro Helvetia (2008)

Textausschnitt aus "Sieben Jahre Schlaf"

Simon hat meinen Pass gefunden. Seitdem weicht er entweder meinem Blick aus oder hält ihn auf verzweifelte Weise fest bei seinem Versuch, durch die Schichten der Lüge zu der Person durchzudringen, die ich in Wirklichkeit bin.
«Du heisst gar nicht Vanessa.»
Ungläubig wiederholt er diesen Satz. Bis ein neuer dazukommt.
«Dann stimmt nichts von dem, was du mir über dich erzählt hast?»
Beinahe erleichtert nehme ich den Telefonanruf aus Südfrankreich entgegen. Simon sitzt auf der Couch und beobachtet mich, aber aus meinen einsilbigen Antworten kann er nicht erraten, worum es geht. Ich lege den Hörer auf und drehe mich zu ihm um.
«Ich muss abreisen, morgen schon.»
Er zuckt die Achseln und schwenkt das Mineralwasser in seinem Glas. Mit gebeugtem Rücken sitzt er da, starrt auf den Fussboden, beisst die Zähne zusammen. Ich glaube nicht, dass er noch da sein wird, wenn ich zurückkomme. Auch die andern vor ihm haben an diesem Punkt jeweils beschlossen, mich zu verlassen.

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