Renker Gustav

Gustav Renker wurde am 12. Oktober 1889 in Wien als Sohn eines Zürchers und einer Wienerin geboren. Aufgewachsen ist er in Bodensdorf am Ossiacher See in Kärnten, wo der Vater, ursprünglich Bijoutier, als Hotelier arbeitete. Nach dem Besuch der ordentlichen Schulen, studierte Renker in Wien Musik und Musikgeschichte. Er schloss sein Studium mit dem Kapellmeisterdiplom und dem Doktortitel ab. In der Folge war er in Wien, Graz und Nürnberg als Kapellmeister und Komponist tätig, ehe er sich in den Zwanziger Jahren dem Journalismus zuwandte. Gustav Renker war Redaktor in Wien, Hamburg und Bern. Nach einer kurzen Phase als freier Schriftsteller liess er sich definitiv in der Schweiz nieder und wurde Chefredaktor des „Emmenthaler Blatts“ in Langnau. Diese Stelle hatte er bis 1945 inne. Literarisch hatte Renker bereits 1918 mit dem Roman „Als Bergsteiger gegen Italien“ debütiert, in welchem er seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg schilderte. Seinem Erstling folgten über fünfzig Berg- und Heimatromane, die sich durch die eindrucksvollen Naturschilderungen auszeichneten und schnell ihren Weg zum Publikum fanden. Renker war einer der meistgelesenen Heimatautoren im deutschsprachigen Raum. Seine Werke sind der antimodernen Provinzliteratur der Zwischenkriegszeit zuzuordnen. Obwohl in der Thematik monoton bleibend, verfügte Renker über einen sicheren und soliden Schreibstil der zwar etwas romantisierend wirkt, jedoch durch seinen Instinkt für spannende Handlungsabläufe aufgewertet wird. Letzere Tatsache machte die Romane auch der Verfilmung zugänglich. Gustav Renker starb am 23.7.1967 im bernischen Langnau.

Werke:
  • Als Bersteiger gegen Italien. 1918
  • Heilige Berge. 1921
  • Bauernnot. 1922
  • Der sterbende Hof. 1923
  • Das Volk ohne Heimat. 1925
  • Der See. 1926
  • Der sterbende Hof. 1928
  • Der Hexenvogt. 1929
  • Die Stadt der Jugend. 1929
  • Symphonie und Jazz. 1931
  • Das verlorene Tal. 1931
  • Das Tier im Sumpf. 1932
  • Finale in Venedig. Ein Richard Wagner Roman. 1933
  • Dichter um Heinrich Merk. 1935
  • Franzosengold. Ein Alpenroman. 1936
  • Der Herr der wilden Reiter. Eine Pizzaro-Chronik aus alter Zeit. 1937
  • Die wandelnde Flamme. 1937
  • Das Dorf ohne Bauern. Roman aus der Kärntner Franzosenzeit. 1938
  • Schicksal in der Nordwand. 1938
  • Die Frau im Eis. 1938
  • Der Herr der wilden Reiter. 1939
  • Schrattenfluh. 1940
  • Der Weg über den Berg. 1942
  • Schicksal am Piz Orsalia. 1945
  • Der Mönch von Ossiach. 1948
  • Der Teufel von Saletto. 1956
  • Licht im Moor. 1957
  • End` der Welt. 1963

Textausschnitt aus "End' der Welt" [S. 33]

Jetzt sind die Sennen mit dem Vieh längst abgezogen, die Weide wird allmählich dürr und leer. Die lilafarbenen Enziandolen, die violetten Astern und die feuerroten Kugeln der Vogelbeeren verkünden das Nahen des Herbstes. Nass ist der Boden vom langen Regen, und durch die Furchen und Falten der Halt plätschern noch allerorten Rinnsale nieder. Als Birnbacher oben am Lärchenwald angelangt ist, steht er über der Nebeldecke, die sich bis weit ins Unterland hinauszieht. Die Berge ragen aus ihr wie Inseln hervor, ein leichtes Regen und Fliessen bewegt die Oberfläche der zur Tiefe gesunkenen Wolkenschichte, über der ein blauer Himmel strahlt, von dem die Menschen in den Tälern und Städten nichts wissen. Die Kalkberge des Südens tragen weisse Mäntel – der erste Schnee.

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