Raeber Kuno

Kuno Raeber wurde am 20. Mai 1922 im aargauischen Klingnau geboren. Er wuchs in einer angesehenen Bürgerfamilie im katholischen Luzern auf. Dort besuchte Raeber das Humanistische Gymnasium. Nach seiner Schulzeit entschied er sich 1945 für ein Noviziat in einem Jesuitenorden, das er jedoch nach knapp zwei Monaten abbrach. Die Kirche und die Religion blieben jedoch auch für sein späteres literarisches Schaffen prägend. Raeber studierte in der Folge Geschichte, Germanistik und Philosophie in Basel, Zürich, Genf und Paris. 1950 schloss er sein Studium mit der Promotion zum Dr.phil. ab. In das selbe Jahr fiel auch Kuno Raebers literarisches Debut mit dem Gedichtband „Gesicht im Mittag“. Anschliessend war er Assistent an verschiedenen akademischen Institutionen, er heiratete und gründete eine Familie. 1958 erfolgte eine radikale Wende in Raebers Leben: er verliess seine Ehe und Familie für die Liebe zu den Männern und tauschte die Historikerlaufbahn mit der unsicheren Künstlerexistenz in München. Es folgten zehn Jahre des Experimentierens mit verschiedenen literarischen Formen. Neben dem Verfassen von Hörspielen und Prosaschriften, setzte Raeber auch sein lyrisches Schaffen fort, mit dem er 1957 den Durchbruch als Dichter geschafft hatte. Als eigentliches Hauptwerk Raebers gilt der Roman „Alexius unter der Treppe“ aus dem Jahr 1973. In den Siebziger Jahren fand sein Schaffen denn auch breite Anerkennung, was sich in der Verleihung zahlreicher Preise ausdrückte. Kuno Raeber starb am 28. Januar 1992 in Basel.

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Werke:
  • Gesicht im Mittag. Gedichte. Basel: Vineta, 1950
  • Die verwandelten Schiffe. Gedichte. Darmstadt: Luchterhand, 1957
  • Die Lügner sind ehrlich. Roman. Hamburg: Claassen, 1960
  • Gedichte. Hamburg: Claassen, 1960
  • Calabria. Reiseskizzen. München: Biederstein, 1961
  • Flussufer. Gedichte. Hamburg: Claassen, 1963
  • Missverständnisse. 33 Kapitel. Prosa. München: Biederstein, 1968
  • Alexius unter der Treppe oder Geständnisse vor einer Katze. Roman. Darmstadt/Neuwied: Luchterhand, 1973
  • Das Ei. Roman. Düsseldorf: Erb, 1981
  • Reduktionen. Gedichte. Frankfurt/M. / Berlin: Ullstein, 1981
  • Abgewandt – Zugewandt. Neue Gedichte. Hochdeutsch und Luzerner Alemannisch. Mit einem Nachwort über das schweizerische Sprachdilemma. Zürich: Ammann, 1985
  • Sacco di Roma. Roman. Zürich: Ammann, 1989
  • Bocksweg. Ein Mysterium in zwölf Bildern. Drama. München: scaneg , 1989
  • Vor Anker. Ein bürgerliches Trauerspiel in neunzehn Auftritten. München: scaneg, 1991
  • Bilder , Bilder. Hrsg. von Jörg Trobitius. Zürich: Ammann, 1994
  • Werke in 5 Bänden. Zürich: Nagel&Kimche, 2002ff.

Auszeichnungen:
  • „poet in residence“ am Oberlin-College, USA (1967/68)
  • Ehrengabe der Bayerischen Akademie der schönen Künste (1969)
  • Tukanpreis der Stadt München (1973)
  • Ehrengabe der Stiftung zur Förderung des Schrifttums, München (1973)
  • Mitglied des Schweizerischen Instituts in Rom (1977/78)
  • Aufnahme in das bundesdeutsche P.E.N.-Zentrum (1978)
  • Luzerner Literaturpreis (1979)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1989)
  • Kunstpreis der Stadt Luzern (1991)

Textausschnitt aus "Stadtnacht in Abgewandt zugewandt" [S. 329]

Aus der Mitte lauf
durch die Alleen hinaus
lauf und halt nicht an am
aufgelassenen Friedhof
tritt nicht durch die enge
Pforte steig nicht
in das Beingewölbe
hinunter Geruch der
Pfützen säuerlich süsslich
durchtränkt die
Papiertaschentücher
an der Ampel
oben ein Quietschen ein
Wagen hält und
halt nicht lauf weiter
über die Brücke die
Mitte Widerschein hell am bewölkten
Himmel die Ab-
geschiednen gelehnt
an die Bäume halt nicht
halt nicht und lauf
zurück über
die andere Brücke
durch das Tor ohne
Flügel kein Eingang
kein Ausgang zurück
halt nicht halt nicht
lauf
in die Mumie gleissend und
nicht zu erwecken
hinein in die Mitte.

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