Merz Klaus

Klaus Merz wurde am 3. Oktober 1945 in Aarau geboren. Nach dem Lehrerseminar und dem damit erworbenen Primarlehrerdiplom, bildete er sich zum Sekundarlehrer weiter. Merz arbeitete in einer Akademie für Erwachsenenbildung und hatte einen Lehrauftrag für Sprache und Kultur an einer Technikerschule. Heute lebt er als Erzähler und Lyriker in Unterkulm. Als Dramatiker hat er verschiedene Theaterstücke verfasst. "Tremolo Trümmer" (1988) und "Am Fuss des Kamels" (1994) heissen die beiden Prosa-Sammlungen, die weiterführen, was der Autor in anderen, eher experimentellen Büchern mit Prosa und Gedichten umschrieb. Darin hat Klaus Merz seine Kunst des Andeutens und Aussparens, des Abgründigen und Hintersinnigen meisterhaft entwickelt. Er berichtet vom gewöhnlichen Leben, scheint es, aber in beiläufig hingeworfenen Bemerkungen lauern kleine Irritationen, die haften bleiben, während der Autor weitererzählt. Wie von selbst liest man langsamer, wenn er dann plötzlich an ganz anderer Stelle an die offenen Fragen im Hinterkopf erinnert.

Links
ead.nb.admin.ch/html/merzklaus.html
www.videoportal.sf.tv/video?id=c9d4d49d-ed70-4b16-82bd-eab49a7a3aaf
www.woz.ch/-240f
www.badenertagblatt.ch/aargau/wyna-suhre/klaus-merz-der-aargau-ist-sicher-eher-reaktionaerer-geworden-129953827
www.aargauerzeitung.ch/kultur/buch-buehne-kunst/aargauer-schriftsteller-klaus-merz-wird-70-und-kein-bisschen-lauter-129588968

Werke:
  • Mit gesammelter Blindheit. Gedichte. St.Gallen: Tschudy, 1967
  • Geschiebe mein Land. Gedichte. Aarau: Sauerländer, 1969
  • Vier Vorwände ergeben kein Haus. Gedichte. Zürich: Artemis, 1972
  • Obligatorische Übung. Geschichten. Aarau: Sauerländer, 1975
  • Latentes Material. Erzählungen. Aarau: Sauerländer, 1978
  • Der Entwurf. Erzählung. München: Autoren-Edition im Athenäum-Verlag, 1982
  • Landleben. Geschichten. Zürich: Howeg, 1982
  • Bootsvermietung. Prosa, Gedichte. Zürich: Howeg, 1985
  • Tremolo Trümmer. Erzählungen. Zürich: Ammann, 1988
  • Nachricht vom aufrechten Gang. Prosa, Gedichte. Zürich: Howeg, 1991
  • Am Fuss des Kamels. Geschichten und Zwischengeschichten. Innsbruck: Haymon, 1994
  • Kurze Durchsage. Gedichte und Prosa. Innsbruck: Haymon, 1995
  • Jakob schläft. Eigentlich ein Roman. Innsbruck: Haymon, 1997
  • Kommen Sie mit mir ans Meer, Fräulein? Innsbruck: Haymon, 1998
  • Garn. Prosa und Gedichte. Innsbruck: Haymon, 2000
  • Adams Kostüm. Drei Erzählungen. Innsbruck: Haymon, 2001
  • Das Turnier der Bleistiftritter. Achtzehn Begegnungen. Innsbruck: Haymon, 2003
  • Die Tiere ziehen los! Kinderbuch. Zürich: Atlantis Kinderbücher, 2003
  • Löwen Löwen. Innsbruck: Haymon, 2004
  • Los. Eine Erzählung. Innsbruck: Haymon, 2005
  • Kunos grosse Fahrt. Bilderbuch. Ill. von Hannes Binder. Zürich: Nord-Süd Verlag, 2005
  • Der gestillte Blick. Sehstücke. Texte zu Bildern. Innsbruck: Haymon, 2007
  • Der Argentinier. Novelle. Innsbruck: Haymon, 2009
  • Aus dem Staub. Gedichte. Wien: Haymon, 2010
  • Unerwarteter Verlauf. Gedichte. Ill. von Heinz Egger. Innsbruck: Haymon, 2013
  • Helios Transport. Gedichte. Innsbruck: Haymon, 2016

Auszeichnungen:
  • Werkjahr für Literatur des Kantons Aargau (1976 / 1981)
  • Preis der Schweiz.Schillerstiftung (1979 / 1997)
  • Werkauftrag Pro Helvetia (1987 / 1995)
  • Aargauer Literaturpreis (1992)
  • Buchpreis der Stadt Zürich ( 1992 / 1994 / 1997)
  • Solothurner Literaturpreis (1996)
  • Londoner Atelier der Kulturstiftung Landis & Gyr (1997)
  • Hermann-Hesse-Literaturpreis (1997)
  • Prix litteraire Lipp (1999)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (2001)
  • Gottfried-Keller-Preis (2004)
  • Aargauer Kulturpreis (2005)
  • Werkpreis der Schillerstiftung (2005)
  • Basler Lyrikpreis (2012)
  • Hölderlin-Preis (2012)
  • Rainer-Malkowski-Preis (2016)

Textausschnitt aus "Kommen Sie mit mir ans Meer, Fräulein?" [S. 8]

Kurze Zeit später trug Dubois das Hemd mit den Ärmeln. Er lag seitwärts, hatte je einen Fiebermesser im Hintern und unterm Arm. Blut und Urin waren bereits untersucht. Blutdruck normal. Schwester Barbara war von Anfang an freundlich zu ihm. Er sprach hochdeutsch mit ihr, obwohl sie ihm versichert hatte, dass sie auch Mundart verstünde. Chuchichäschtli, kein Problem. Sie traf seine Venen auf Anhieb. Aber spätestens bevor er sie mit nur noch gespielter Gelassenheit nach ihrer genauen Herkunft fragte, spürte er, dass es für ihn jetzt vor allem darum gehen würde, keine tatsächlichen Verwundungen aufkommen zu lassen, um nicht in etwas hineinzugeraten, vor dem es auf der Hut zu sein galt: Dubois A., 644.45.403.3, Verdacht auf innere Verletzungen, Krankenkasse Helvetia.

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