Marti Hugo

Hugo Marti wurde am 23. Dezember 1893 in Basel geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Basel, Liestal und Bern, wo er nach dem frühen Verlust der Eltern ab 1912 auf Wunsch seiner Stiefmutter Jura studierte. Nach einem Auslandjahr in Berlin und Königsberg wechselte Marti im Sommer 1914 zur Germanistik. Noch vor dem Abschluss seines Studiums reiste er als Hauslehrer eines Fürsten nach Rumänien. Marti versuchte nach Kriegsausbruch, die ihm anvertrauten Kinder in die Schweiz zu bringen, musste aber auf Grund des U-Boot-Kriegs 1917, während mehr als zwei Jahren in Norwegen bleiben. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz promovierte Marti im Jahr 1921 und war ab 1922 bis 1937 als Redakteur für den „Bund“ tätig. Er schuf sich einen Namen als aufgeschlossener und einfühlsamer Literaturkritiker und förderte diverse junge Talente (K. Guggenheim, F. Glauser, u.a.). Marti erfüllte damit eine wichtige Funktion für die Schweizer Literatur, die er in Zeiten nationaler Verhärtungen auf den Weg ins Offene zu führen suchte. Hinter seiner viel gerühmten Arbeit als Rezensent blieb dabei sein eigenes Werk fast vollkommen verborgen. Der schon früh durch eine Lungenkrankheit bedrohte Marti starb am 20.4.1937 im Alter von 43 Jahren in einem Davoser Sanatorium. Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass er unter dem Pseudonym „Bepp“ die beliebten Glossen im „Bund“ geschrieben hatte.

Links
www.linsmayer.ch/autoren/M/MartiHugo.html
ead.nb.admin.ch/html/martihugo.html

Werke:
  • Das Haus am Haff. Roman. Basel: Rhein-Verlag, 1922
  • Das Kirchlein zu den sieben Wundern. Erzählungen. Basel: Rhein-Verlag, 1922
  • Balder. Eine Dichtung. Basel :Rhein-Verlag, 1923
  • Ein Jahresring. Roman. Basel: Rhein-Verlag, 1925
  • Der Kelch. Gedichte. Basel: Rhein-Verlag, 1925
  • Rumänisches Intermezzo. Erzählung. Bern: Francke, 1926
  • Rumänische Mädchen. Erzählung. Bern: Francke, 1928
  • Die Herberge am Fluss. Schauspiel. Luzern: Stadttheater, 1932
  • Lache Prinzessin. Schauspiel. Bern: Stadttheater, 1932
  • Davoser Stundenbuch. Bern: Francke, 1935
  • Rudolf von Tavel. Biographie. Bern: Francke, 1935
  • Eine Kindheit. Bern: Privatdruck, 1936
  • Der Jahrmarkt im Städtlein. Erzählungen. Basel: 1937

Textausschnitt aus "Davoser Stundenbuch" [S. 143-144] (zitiert nach der ExLibris-Ausgabe, 1981)

Der Tod – das ist die Wandlung. Und er hat uns alle angerührt. Und so sind wir alle verwandelt. So wahr wir noch leben, leben wir nicht mehr wie einst.
Die Gegenwart des Todes, dies uns zu jeder Stunde umfängt, wird wie das Walten einer finsteren Gottheit geehrt. Man bringt ihr geheim die Opfer, die sie fordert, und öffentlich das Zeremoniell, dessen sie nicht bedarf. Hat man je ein Begräbnis nach Tieflandsitte gesehen, wenn einer aus der Schar der Gezeichneten weggegangen ist ? Sie, deren Ende vom ersten Tag an unsichtbar auf der Fiebertabelle irgendwo zwischen zwei Abendstunden eingetragen ist, sie sterben wie aus Versehen und ganz ohne Umstände. Sie gehen aus der Stille des weissen Bettes in die Stille des schwarzen Sarges über, und aus der Einsamkeit zwischen Lebenden in die Gemeinsamkeit der Toten. Man darf vielleicht sagten, das sich an ihrem Zustand wenig ändert...

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