Krneta Guy

Guy Krneta wurde am 24. März 1964 in Bern geboren. Schon während seiner Zeit am Gymnasium zeigte er eine Vorliebe für die Mundart und verfasste gesellschaftskritische Texte und Lieder, inspiriert von der damaligen Folkbewegung. Auch heute noch steht er regelmässig als Spoken-Word-Autor auf der Bühne, zusammen mit der Gruppe "Bern ist überall" oder dem Rapper Greif und dem Musiker Apfelböck. Nach Studien in Theaterwissenschaft in Wien und Medizin in Bern wurde Guy Krneta 1986 Regieassistent am Stadttheater Bern und am Theater Basel. Er war Co-Leiter des Theaterfestivals "auawirleben" in Bern und Dramaturg an der Landesbühne Esslingen und am Staatstheater Braunschweig. Nach der Rückkehr in die Schweiz arbeitete er als Co-Leiter des Theaters Tuchlaube (Aarau) und als Dramaturg beim Freien Theater Marie (Aarau). Heute lebt Guy Krneta als freischaffender Autor in Basel. Seine sowohl in Mundart als auch in der Standardsprache verfassten Texte greifen Szenen aus dem Alltag auf, die er zu einer poetischen Darstellung existentieller Fragen verdichtet. Seine Figuren, liebenswürdige Käuze, zeigen Abgründe auf, die dem Leser oder Zuschauer nicht fremd sind. Guy Krneta engagiert sich auch kulturpolitisch. So initiierte er z.B. das Schweizerische Literaturinstitut in Biel und ist Mitbegründer des Künstler/innen-Netzwerks "Kunst+Politik". Für seine kulturpolitischen Tätigkeiten erhielt er 2012 den Prix Suisseculture.

Links
www.srf.ch/player/radio/regionaljournal-aargau-solothurn/audio/neues-stueck-von-guy-krneta-im-theater-tuchlaube?id=cbceb004-8a9b-45b5-925e-6fb0f4ef917b
www.srf.ch/radio-srf-1/radio-srf-1/guy-krneta
www.videoportal.sf.tv/video?id=c512a8a5-d9a9-4195-ab1b-716d8e2b0b9d
matterhorn.li/files/Krneta.pdf
www.literapedia-bern.ch/Krneta,_Guy

Werke:
  • Furnier-Geschichten. Aarau: Theater Marie, 1996
  • Zmittst im Giätt uss/Mitten im Nirgendwo. Berlin: Aufbau Verlag, 2004
  • Ursie. Bern: Verlag X-Time, 2004
  • Buumes. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2007
  • Mittelland. Morgengeschichten. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2009
  • Umkehrti Täler. Muri b. Bern: Cosmos, 2011
  • Unger üs. Familienalbum. Luzern: Der gesunde Menschenverstand, 2014
  • Theater:
  • Legende vom Dolchstoss (Uraufführung: Blechtheater Bern, 1987)
  • Till Eulenspiegel. Jugendtheater (Uraufführung: Stadttheater Bern, 1989)
  • Niemals Vergessen (Uraufführung: Blechtheater Bern, 1990)
  • Dr aut Lehme. Jugendtheater (Uraufführung: Berner Ensemble, 1991
  • Der Faulpelz Paul Felz. Jugendtheater (Uraufführung: Württemberg. Landesbühne Esslingen, 1992)
  • Die Pferde stehen bereit (Uraufführung: Club 111 Bern, 1994)
  • Ursie/Marthas Eltern. Jugendtheater (Uraufführung: Berner Ensemble, 1994)
  • Furnier (Uraufführung: Freies Theater M.A.R.I.A./Theater Tuchlaube Aarau, 1996)
  • Münchhausen. Jugendtheater (Uraufführung: Berner Ensemble 1996)
  • Iquitos. Jugendtheater (Uraufführung: zamt & zunder/Theater Tuchlaube Aarau, 1997)
  • Zwöi im Mai (Uraufführung: Club 111 Bern, 1998)
  • Monkey. Jugendtheater (Uraufführung: Freies Theater M.A.R.I.A./Theater Tuchlaube Aarau, 1998)
  • Schönweid. Jugendtheater (Uraufführung: zamt & zunder/Theater Tuchlaube Aarau, 2000)
  • Pausenplatzgeschichten. Jugendtheater (Uraufführung: Theater an der Sihl, 2001)
  • Zmittst im Giätt uss (Uraufführung: Matterhorn Prod./Schlachthaus Theater Bern, 2003)
  • Das Leben ist viel zu kurz, um offene Weine zu trinken (Uraufführung: Matterhorn Prod./Schlachthaus Theater Bern, 2004)
  • E Summer lang, Irina (Uraufführung: Theater Basel, 2004)
  • E Schtau vou Reh (Uraufführung: Theater Basel, 2006)
  • Fondue Oper (Uraufführung: Matterhorn Prod./Gare du Nord Basel, 2008)
  • Aktion Duback (Uraufführung: Theater Neumarkt, 2009)
  • Stottern und Poltern (Uraufführung: Matterhorn Prod./Kaserne Basel, 2009)
  • Disques:
  • Bern ist überall im Kairo. Spoken Word. Verschiedene Autoren. Luzern: Der gesunde Menschenverstand, 2006
  • Das Leben ist viel zu kurz, um offene Weine zu trinken. Basel: Christoph Merian Verlag, 2006
  • Bern ist überall: Partout. Spoken Word. Verschiedene Autoren. Luzern: Der gesunde Menschenverstand, 2008
  • Winnetou Bühler. Zusammen mit Greis & Apfelböck. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2008
  • Tomate uf de Ohre. Spi Spa Spoken word für Kinder. Verschiedene Autoren. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2008
  • Fondue Oper. Komposition: Till Löffler. Basel: Christoph Merian Verlag, 2009
  • Bern ist überall: Verbarium. Spoken Word. Verschiedene Autoren. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2010
  • Bern ist überall: Verruckti Tier. Spi Spa Spoken word für Kinder. Verschiedene Autoren. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2010
  • Ursel. Eine musikalische Geschichte. Komposition: Till Löffler. Basel: Christoph Merian Verlag, 2012
  • Unger üs. Familienalbum. Luzern: Der gesunde Menschenverstand, 2014

Auszeichnungen:
  • Preis der Stiftung zur Förderung der Bernischen Mundartdramatik (1990)
  • Werkjahr Pro Helvetia, Stadt und Kanton Bern (1996)
  • Buchpreis Stadt Bern (1997)
  • Werkbeitrag Aargauer Kuratorium (2001)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2003)
  • Buchpreis Stadt Bern (2003)
  • Welti-Preis für das Drama (2003)
  • Preis der ssa für das Schreiben von Theaterstücken (2004)
  • Literaturpreis des Kantons Bern (2010)
  • Prix Suisseculture (2012)
  • Schweizer Literaturpreis (2015)

Textausschnitt aus "Die Königsdisziplin. Essay" [in "Entwürfe 36/2003"]

Mit neunzehn wollte ich Theaterautor werden. Ich fuhr nach Wien und studierte Theaterwissenschaft, weil ich gehört hatte, dass Werner Wüthrich, den ich nicht kannte, ebenfalls in Wien Theaterwissenschaft studiert hatte und Theaterautor geworden war. Werner Wüthrichs Frau, mit der ich damals telefonierte, weil Werner Wüthrich nicht zu erreichen war, sagte mir: «Wenn du Schriftsteller werden willst, musst du schreiben, nicht in Wien studieren.» Aber das wollte ich damals nicht hören, ich fuhr nach Wien und studierte Theaterwissenschaft.

Zumindest ein Jahr lang, dann merkte ich, dass das Studium wenig zu tun hatte mit dem, was ich wollte. Was wollte ich? Schreiben und lesen und lernen, wie man Theater macht. Statt dessen schrieb ich Proseminararbeiten, studierte Sekundärliteratur und verlor jedes Selbstvertrauen. Von einem Studienkollegen lieh ich mir eine elektrische Schreibmaschine, dann schrieb ich in einem Monat, währenddessen ich der Uni fernblieb, das Stück Der Tag, als die Welt nicht untergegangen war. Es war als Antwort gedacht auf den unsäglichen Hollywood-Streifen The day after, der damals Europa erschütterte. Für mich bedeutete es ein existenzielles Scheitern. Danach wusste ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich kehrte in die Schweiz zurück, vernichtete das Stück und studierte Medizin.



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