Keller Gottfried

Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 als Sohn eines Drechslers in Zürich geboren. Er wuchs in städtisch-kleinbürgerlichen Milieu auf. Nach dem frühen Tod des Vaters 1824 besuchte er bis 1834 verschiedene Schulen. Das Gefühl des Aussenseitertums paarte sich mit dem Wunsch dazu zu gehören. Wegen einem Bubenstreich musste Keller die Schule vorzeitig verlassen. Er zog zu Verwandten aufs Land. Dort reifte sein Entschluss Maler zu werden. Einen Studienaufenthalt in München, den er 1840 antrat, brach er jedoch ab, da er seine Umgebung von seinem Talent nicht überzeugen konnte. Keller wandte sich der Literatur zu und fand mit politischer Lyrik in der liberalen Bewegung der 1840er Jahre seine politische Heimat. 1845 rang er sich endgültig zur Aufgabe der Malerei als Beruf durch und entschied sich für das Schriftstellertum. Seine erste Gedichtsammlung von 1846 verhalf ihm dann auch zu einem Stipendium in Zürich. Zwei Jahre darauf brach Gottfried Keller erneut nach Deutschland auf. Er studierte in Heidelberg Geschichte, Philosophie und Literatur. Von 1850-55 lebte er in Berlin als freier Schriftsteller. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz lebte der unverheiratete Dichter wieder mit Mutter und Schwester zusammen. Er schrieb in den folgenden Jahren zahlreiche Novellen die seinen Ruf als patriotischen Dichter festigten. Von 1861-1876 war Keller zürcherischer Staatsschreiber. Danach widmete er sich nur noch seinen literarischen Arbeiten. Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich. Kellers Ruhm ist in erster Linie durch seinen Bildungsroman „Der Grüne Heinrich“ begründet, in welchem er seine Jugend schildert. Er gilt jedoch auch als ein Meister der Novelle, wogegen sein dramatisches Schaffen erfolglos blieb. Zentrales Thema des Werks ist die Erziehung des Menschen zum Staatsbürger. Seine Besorgnis über die zeitgenössische Situation formulierte Keller beispielsweise in seinem Spätwerk „Martin Salander“. Hier zeigte er auf, wie weit sich die Schweiz von den liberalen Idealen entfernt hatte.

Links
www.gottfriedkeller.ch
www.gottfriedkeller-gesellschaft.ch/gkg/
www.srf.ch/kultur/literatur/was-wuerde-gottfried-keller-an-der-schweiz-von-heute-kritisieren

Werke:
  • Gedichte. 1846
  • Neuere Gedichte. 1851
  • Der Grüne Heinrich. 4 Bde. 1854/55 zweite Fassung: 1879/80
  • Die Leute von Seldwyla. Novellenzyklus. Erster Band. 1856, Erweitert auf vier Bände: 1874
  • Das Fähnlein der sieben Aufrechten. 1860
  • Sieben Legenden. 1872
  • Romeo und Julia auf dem Dorfe. 1876
  • Züricher Novellen. 2 Bde. 1878 , darin: Das Fähnlein der sieben Aufrechten
  • Das Sinngedicht. Novellenzyklus. 1881/82
  • Gesammelte Gedichte. 1884
  • Martin Salander. Roman. 1886

Textausschnitt aus "Der Grüne Heinrich"

Die Fenster unserer Wohnstube gehen auf eine Menge kleiner Höfe hinaus, wie sie oft von einem Häuserviertel umschlossen werden und ein verborgenes behagliches Gesumme enthalten, welches man auf der Strasse nicht ahnt. Den Tag über betrachtete ich stundenlang das innere häusliche Leben in diesen Höfen; die grünen Gärtchen in denselben schienen mir kleine Paradiese zu sein, wenn die Nachmittagssonne sie beleuchtete und die weisse Wäsche in denselben wehte, und wunderfremd und doch bekannt kamen mir die Leute vor, welche ich darin gesehen hatte, wenn sie plötzlich einmal in unsrer Stube standen und mit der Mutter plauderten.

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