Jenny Zoe

oë Jenny wurde am 15. März 1974 in Basel geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Griechenland, im Tessin und in Basel. 1994 schloss sie die Diplommittelschule in Basel ab. Seit 1993 werden ihre Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich veröffentlicht. Bekannt wurde Zoë Jenny mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Romanerstling "Das Blütenstaubzimmer" (1997). Er ist das Zeugnis einer jungen, skeptischen Generation, für die Erwachsenwerden bedeutet, sich an die Einsamkeit zu gewöhnen, und erzählt davon, wie die Träume der 68er-Generation das Bewusstsein junger Erwachsener von heute prägen. "Das Blütenstaubzimmer" stand lange Zeit zuoberst auf der Schweizer Bestsellerliste. Zoë Jenny lebt zur Zeit in Basel.

Links
www.welt.de/kultur/literarischewelt/article119698073/Das-Schreiben-kommt-immer-aus-dem-Schmerz.html
www.schweizer-illustrierte.ch/dossier/zoe-jenny
www.zeit.de/2013/41/LM-B-Jenny

Werke:
  • Das Blütenstaubzimmer. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 1997
  • Das Muschelhorn. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2000
  • Mittelpünktchens Reise um die Welt. Mit Bildern von Bernd Pfarr. München: C.Hanser, 2001 (Kinderbuch)
  • Ein schnelles Leben. Berlin: Aufbau-Verlag, 2002
  • Das Porträt. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2007
  • The sky is changing. Novel. Legend Press, 2010
  • Spätestens morgen. Erzählungen. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 2013

Auszeichnungen:
  • 3sat-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt (1997)
  • Literaturförderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung (1997)
  • Aspekte-Literaturpreis (1997)

Textausschnitt aus "Das Blütenstaubzimmer" [S. 48-49]

In den Schulferien arbeitete ich auf der Post und sortierte Briefe. Bei den von Hand geschriebenen Briefen las ich die Namen, und in meinem Kopf tauchten Personen auf, die miteinander zu reden begannen, während ich unsichtbar dabeisass und zuhören konnte, und in diesen Momenten war mir, als ob ich einen geheimen Zugang zu dem Leben fremder Menschen gefunden hätte, die mich nicht kannten, die aber ihrerseits, da ich ihre Namen und ihre Handschrift in meinen Händen hielt, in mir Platz nahmen und wohnten und sich ausbreiteten, als wäre ich das Haus ihrer Geheimnisse. An jedem Monatsende habe ich mich mit Vater getroffen, der mir eine neue Ration Bücher gab. Seit ich sechzehn war, hatte ich ein eigenes Zimmer in der Stadt. Es war leer, wie die Zimmer in diesem Haus jetzt, aber nie war ich verloren darin. Ich las und war ein Schiff auf Reisen. Hin und wieder wurde ich von seltsamen Erschöpfungszuständen ergriffen, die es mir nicht mehr erlaubten, ein Buch zu öffnen. Trostlos blieb es dann in meinen Händen liegen. In solchen Augenblicken rief ich meinen Vater an. Er kam am Abend mit seinem Buick, und wir fuhren los.

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