Jaun Sam

Sam Jaun wude am 30.9.1935 in Wyssachen (Emmental) als Sohn eines Predigers geboren. Aufgewachsen ist er in Unterlangenegg, Gstaad und Biel. Nach Ausübung verschiedener Berufe machte er die Matura auf dem zweiten Bildungsweg und studierte Germanistik und Altphilologie. Anschliessend war Jaun als Lehrer am Berner Abendgymnasium und Kulturbeauftragter des Kantons Bern tätig. Seit 1977 arbeitet er als freier Schriftsteller und Übersetzer. Nach verschiedenen längeren Aufenthalten in Portugal, Frankreich und den USA lebt Sam Jaun heute in Bern und Berlin. Nach mehreren Theaterstücken und Prosatexten wandte sich Sam Jaun Ende der siebziger Jahre dem Genre des Kriminalromans zu, in welchem er sich seither erfolgreich betätigt. Der Roman „Die Brandnacht“(1986) wurde mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt. Jaun hat auch Hörspiele verfasst.

Links
www.krimilexikon.de/jaun.htm
www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/die-schweigeminute-von-sam-jaun

Werke:
  • Texte aus der Provinz. Bern: Zytglogge, 1971
  • Ach Auerbach. Spieltext. Mit Peter J. Betts. Bern: Zytglogge, 1972
  • Die weissen Zähne der Gemeinde. Texte 1961 – 1971. Bern: Zytglogge, 1973
  • Bier. Spieltext. Mit Peter J. Betts. Bern: Zytglogge, 1974
  • Die Wirklichkeit des Chefbeamten. Erzählungen. Bern: Zytglogge, 177
  • Der Weg zum Glasbrunnen. Kriminalroman. München: W.Heyne, 1983
  • Die Brandnacht. Zürich: Benziger / München: W.Heyne, 1986
  • Der Feierabendzeichner. Zürich: Ammann, 1992
  • Fliegender Sommer. Kriminalroman. Muri bei Bern: Cosmos, 2000
  • Paradiesgärtli. Komödie. Uraufführung: Allmend Sigigen, Luzern, 2001
  • Die Zeit hat kein Rad. Kriminalroman. Muri bei Bern: Cosmos, 2004
  • Die Brandnacht. Bielefeld: Pendragon, 2008

Auszeichnungen:
  • Krimi-Preis der deutschen Autoren (1983)
  • Glauser (1987)
  • Diverse Auszeichnungen von Stadt und Kanton Bern und des Landes Berlin.

Textausschnitt aus "Fliegender Sommer" [S. 16-17]

Saibling wandte sich den Blumen zu, unter denen Oberst de Motte vermoderte. „Er hat den Freitod gewählt, als man ihn ...“ Er brach ab und schluckte. „Du musst begreifen, diese besondere Übung, bei der du mitmachen wirst ... Sie war noch seine Idee. Ich verwirkliche sie nur. Ich hielt es für richtig ...“ Er wies auf den Grabstein. „Seinetwegen sind wir hier.“ Er setzte das steife Offizierskäppi mit dem gelben Majorsstreifen, das er in der Linken gehalten hatte, auf, reckte sich, die Beine gegrätscht, die Hände auf dem Rücken verschränkt, und begann, auf den Fussballen zu wippen. „Die Übungsannahme ist folgende: Füsilier Langenegger, der seinen Urlaub im Ausland verbringt, hat dort einen Unfall gehabt. Er hat dir, seinem Freund, einen Brief geschickt und dich gebeten, das beigelegte ärztliche Attest dem Kompaniekommandanten zuzustellen und ihm mitzuteilen, dass er den nächsten Militärdienst nicht leisten kann. Du aber, ein ehemaliger Offizier, der zum militanten Armeegegner geworden ist, entsprichst seiner Bitte nicht, sondern rückst mit seinem Marschbefehl in den Ergänzungskurs ein.“
„Und dort versuche ich, die biederen Familienväter zwischen dreissig und vierzig, die vierzehn Tage lang Soldat spielen, zur Meuterei aufzustacheln.“ Keller lachte so laut, dass die zwei Friedhofsgärtnerinnen, die auf der grauen Bank unter der Buche sassen und Schinkenbrote mampften, im Kauen innehielten und zu ihnen hinüberstarrten.
„Bitte, Peter!“ sagte Saibling und fuhr mit gedämpfter Stimme fort: „Deine ehemaligen Kameraden ahnen nichts von deinem Gesinnungswandel, und so erzählte dir einer von ihnen von einem Gerücht, das er bei einem Offizierstreffen aufgeschnappt hat: im letzten EK sei in Bergues von einem Soldaten der Kompanie, der Langenegger seither zugeteilt worden ist, ein fünfzehnjähriges Mädchen missbraucht worden – ein Vorfall, der vertuscht worden sei. Du willst der Sache für die Bürger Zeitung nachgehen, und diese wird, wenn etwas dran ist, die Affäre gross herausbringen, um die Armee und das Eidgenössische Militärdepartement zu diskreditieren.“
„Und ist in Wirklichkeit etwas dran?“
„Natürlich nicht. Es ist eine Übung. Alles nur hypothetisch.“

Zurück