Huggenberger Alfred

Alfred Huggenberger wurde am 26. Dezember 1867 in Bewangen (heute zu Bertschikon, Kt.Zürich) geboren. Als Sohn eines Landwirtes führte er den väterlichen Betrieb weiter. 1904 brannte das Elternhaus durch einen Unglücksfall ab, worauf Huggenberger sich im thurgauischen Gerlikon ein neues Heim aufbaute. Neben seiner bäuerlichen Tätigkeit, die er mit Leib und Seele ausübte, regte sich in Huggenberger auch dichterisches Talent. 1907 schaffte er’s mit „Hinterm Pflug. Verse eines Bauern“ den literarischen Durchbruch, jedoch wie viele andere zeitgenössische Autoren nicht zuerst in seiner Heimat sondern im benachbarten Deutschland. Der Autor setzte in der Folge in über hundert Werken bäuerliches Leben auf naiv-realistische Weise ins Bild und galt vielen als „neuer Gotthelf“. Alfred Huggenbergers Gedichte und Erzählungen fanden Eingang in verschiedene Schulbücher und Sammelwerke. Der Bauerndichter trieb bis ins hohe Lebensalter Ackerbau und Viehzucht auf seinem Hof. Er starb am 14.2.1960 in Gerlikon.

Links
www.alfred-huggenberger-gesellschaft.ch
www.woz.ch/-3217

Werke:
  • Lieder und Balladen. Lyrik. 1896
  • Hinterm Pflug. Verse eines Bauern. 1907
  • Die Bauern von Steig. Roman. 1913
  • Daniel Pfund. Frauenfeld: Huber 1916
  • Dem Boellme si boes Wuche. 1918
  • Bauernland. Erzählungen. 1919
  • De Gschyder git nohe. Schwank in einem Akt. 1922
  • Jochems erste und letzte Liebe. Humoristischer Roman. 1922
  • Die Frauen von Siebenacker. Roman. 1925
  • Pfeffermuenz und Magebrot. Allerlei G'rymts und Ung'rymts. 1935
  • Abendwanderung. Lyrik. 1946
  • Der Ruf der Heimat. 1948
  • Das freundliche Jahr. Erzählungen. 1954

Textausschnitt aus "Der Ruf der Heimat" [S. 99]

Auf dem abgelegenen Hofe Lisenbohl schaffte ein Güterknecht neben mir, dem ich bald anmerkte, dass er nicht immer gedient hatte. Er tat jede Arbeit mit der beschaulichen Liebe und Gründlichkeit des Kleinbauern. Ob der Meister die Augen auf ihm hatte oder nicht, er war weder in Trab zu bringen, noch liess sein stiller Fleiss auch nur für eine Minute nach. Ich hörte den Lisenbohler einmal in der Küche zu seiner Tochter Christine sagen, zu dem Ferdi müsse man Sorge tragen, wenn er auch kein Hauderi sei, so verdiene er manchmal doch so viel Lohn wie zwei andere.
Durch einen alten Melker wussten wir, dass Ferdi in der Nähe von Glinzmatten ein Bauerngütchen besessen, dass er aber auf einmal den Rappel bekommen und alles verkauft habe.
Aus Ferdi selber war nicht viel herauszubringen. Für gewöhnlich sparte er die Worte und schaffte am liebsten allein. Er musste schon seinen guten Tag haben, wenn er hie und da ein Scherzwort zur Unterhaltung beisteuerte, oder über irgend etwas seine Meinung vertrat.

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