Haemmerli-Marti Sophie

Sophie Haemmerli-Marti wurde am 18.2.1868 in Othmarsingen als Tochter des reformierten Bauern und Grossrats Franz Marti und der Sophie, katholische Luzernerin, ebenfalls aus politisch und kulturell anregendem Milieu stammend, geboren. Nach der Früheinschulung des aufgeweckten Kindes im Heimatort und der erfolgreichen Grundschule folgte der Wechsel an die Bezirksschule in Lenzburg. Sophie Haemmerli-Marti besuchte anschliessend das Lehrerinnenseminar in Aarau. Nach dem Patent hielt sie sich 1887 kurze Zeit in Paris auf, ehe sie in ihrem Beruf in Thalheim und Oetlikon wirkte. 1888 starb die Mutter, am gleichen Tag erlitt der Vater einen schweren Reitunfall und die junge Lehrerin kehrte nach Othmarsingen zurück. Zwei Jahre darauf heiratete sie den Lenzburger Arzt Max Haemmerli, der ihren Vater betreut hatte. Als Mutter von vier Töchtern entfaltete sie ihre schriftstellerische Tätigkeit und schrieb mehrere hundert Kindergedichte in der Aargauer Mundart. Viele davon wurden vertont und sind als Lieder zum Volksgut geworden. Die Autorin unternahm Ferien- und Bildungsreisen nach Florenz, Rom, Venedig, Wien und Budapest und pflegte Kontakte zu den wichtigen Literaten ihrer Zeit, allen voran Carl Spitteler, in dem sie einen anregenden Kritiker und Begleiter ihres Werkes fand. Eine schwere Krankheit und damit verbundene Operationen stürzten Sophie Haemmerli-Marti in Phasen der Schwermut, die sich als tiefernste Texte über Krieg, Angst und Trauer in ihrem auf den ersten Blick doch unbeschwerten Werk niederschlugen. Diese Tendenzen nahmen nach dem tödlichen Autounfall des Gatten 1931 noch zu. Die Autorin fand im Schreiben und in Reisen zu den teilweise im Ausland lebenden Töchtern Befreiung von den Depressionen. Neben ihren Texten zu politischen und kulturellen Anliegen der Schweiz war die Autorin in ihren Prosastücken auch eine frühe Kämpferin für die Emanzipation der Frau. Sophie Haemmerli-Marti gilt als eine der wichtigsten Mundart-Schrifstellerinnen der Schweiz. Sie starb am 19. April 1942.

Werke:
  • Mis Chindli. Gedichte. Aarau: Emil Wirz, 1907
  • Grossvaterliedli. Bern: A.Francke, 1913
  • Wienechtsbuech. Bern: A.Francke, 1913
  • Im Bluescht. Gedichte. Bern: A.Francke, 1914
  • Is Stärneland. Verse von Sophie Haemmerli-Marti. Basel: B.Schwabe & Co., 1927
  • Gaggaggah und Güggerüggüh. Tierverse von Sophie Haemmerli-Marti. Basel: B.Schwabe & Co., 1928
  • Allerseele. Gedichte. Zürich: Orell Füssli, 1928
  • Mis Aargäu. Land und Lüt us miner Läbensgschicht. Aarau: H.R. Sauerländer & Co., 1939
  • Läbessprüch. Gedichte. Aarau: H.R. Sauerländer & Co., 1939
  • Rägeboge. Gedichte. Aarau: H.R. Sauerländer & Co., 1941
  • Z Välte übers Amme Hus. Chindelieder von Sophie Haemmerli-Marti. Aarau: H.R. Sauerländer & Co., 1942
  • Passionssprüch. Gedichte. Aarau: H.R. Sauerländer & Co., 1943
  • Gesammelte Werke. Hg. von Carl Günther. Aarau: Sauerländer, 1947-52
  • Osterzyt. Gedicht und Gschichtli. Fryburg: Schwizyerlüt-Verlag, 1953
  • Ebigs Für. Neu-Ausgabe des dichterischen Werkes von Sophie Haemmerli-Marti. Mit ausgewählten Texten und integrierter CD. Baden: Baden-Verlag, 2003

Textausschnitt aus "D Liebi" und "Eusi zwöi Chätzli"

D Liebi

S git öppis, s isch finer
As s allerfinschti Gwäb,
Und doch isch es stercher
As isigi Stäb.
S isch früscher as s Bluescht, wo am Öpfelbaum stoht,
Wie Schnee uf de Bärge, wo nümme vergoht,
Bald bitter wie Galle,
Bald süesser as Hung,
S läbt mängs hundert Johr und blibt allewil jung,
S isch höcher as d Stärne
Und teufer as s Meer:
Was müesst mer au afoh, wenn d Liebi nid wer!

Eusi zwöi Chätzli

Jo eusi zwöi Chätzli
Sind tusigi Frätzli,
Händ schneewissi Tätzli
Und Chreueli dra,

Händ spitzigi Öhrli
Und sidigi Hörli,
Und so goht e kes Jöhrli,
So fönd si scho a:

Si schliche durs Hüsli
Und packe di Müsli
Und ploge si grüsli –
Wer gsechenes a?

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