Gwerder Alexander Xaver

Alexander Xaver (eigentlich Alexander Josef) Gwerder wurde am 11. März 1923 in Thalwil (ZH) geboren. Er besucht zuerst die Primarschule in Wädenswil und von 1935-1938 die Sekundarschule in Rüschlikon. Nur widerwillig absolvierte Gwerder anschliessend eine Lehre als An- und Umdrucker, die er 1942 abschloss. Im selben Jahr musste er in die Rekrutenschule einrücken und leistete anschliessend Aktivdienst. In dieser Zeit reifte im jungen Mann ein ausgeprägter Antimilitarismus, den er in späteren Dichtungen mit Vehemenz vertrat. Nachdem er bereits 1944 geheiratet hatte, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, begann Alexander Xaver Gwerder mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Er arbeitete daneben seit 1947 als Offsetkopist in einer Zürcher Druckerei. Neben den Prosatexten gegen das Militär und die Bürokratie in der Schweiz schrieb der Autodidakt vor allem Lyrik. Die Anerkennung für sein Schreiben zu Lebzeiten blieb Gwerder jedoch versagt. Nach einer Gelbsucht-Erkrankung und Depressionen durchlebte er im Sommer 1952 die produktivste Phase seines Lebens. Am 12. September des selben Jahres reiste er mit seiner Freundin Salomé, der Tochter der befreundeten Dichterin E.M. Dürrenberger, nach Südfrankreich in die Gegend, in der sich sein Vorbild van Gogh lange aufgehalten hatte. Die Frustration an Zeit und Gesellschaft, die Erfolglosigkeit als Autor und nicht zuletzt die unmögliche Liebe zu seiner „Traumgefährtin“ (A.X.G.) führten zu einem versuchten Doppelselbstmord, dem aber nur Gwerder erlag. Er starb am 14.9.1952 im Armenkrankenhaus in Arles.

Links
www.linsmayer.ch/autoren/G/GwerderAlexanderXaver.html
www.zeit.de/1992/45/im-inneren-europas
www.andreasneeser.ch/essays/sterne-sind-mehr-als-druckermist/
www.planetlyrik.de/peter-von-matt-zu-alexander-xaver-gwerders-gedicht-ich-geh-unter-lauter-schatten/2016/07/
www.youtube.com/watch?v=bUPDxptXOUo

Werke:
  • Die Begegnung. Mit fünf Holzschnitten von Rudolf Scharpf. Hrsg. von K.F. Ertel. Landau: K.F. Ertel, 1951
  • Monologe. Vier Gedichte nach der Handschrift. Mit vier Holzschnitten von Rudolf Scharpf. Zürich / Altleiningen: Privatdruck, 1951
  • Blauer Eisenhut. Gedichte. Zürich: Magnus-Verlag, 1951
  • Ein Abend, eine Strasse und ein Mittag in der City. Dem Schweizer Lyriker Alexander Xaver Gwerder zum 30. Geburtstag am 11. März 1953. Mit einem Holzschnitt von Rudolf Scharpf und Beiträgen von R. Scharpf, K.F. Ertel und Wolfgang Bächler. Heidelberg: R. Wittkopf, 1953
  • Dämmerklee. Nachgelassene Gedichte. Hrsg. von Trudy Federli-Gwerder und Hans Rudolf Hilty. Zürich: Verlag der Arche, 1955
  • Möglich, dass es gewittern wird. Nachgelassene Prosa. Mit vier Holzschnitten von Rudolf Scharpf. In Verbindung mit Trudy Federli-Gwerder aus dem Nachlass ausgewählt und hrsg. von Hans Rudolf Hilty. Zürich: Verlag der Arche, 1957
  • Land über Dächer. Nachgelassene Gedichte. Mit einem Beitrag von Karl Krolow. In Verbindung mit Trudy Federli-Gwerder aus dem Nachlass ausgewählt und hrsg. von Hans Rudolf Hilty. Zürich: Verlag der Arche, 1959
  • Maschenriss. Gespräch am Kaffeehaustisch. Zürich: Verlag der Arche, 1959
  • Gedichte und Prosa. Eingeleitet und hrsg. von Roger Perret. Basel, 1978
  • Wenn ich nur wüsste, wer immer so schreit. Gesänge gegen die Masse. Auswahl und Nachwort von Georges Ammann. Zürich: orte-Verlag, 1978
  • Wäldertraum. Ausgewählte Gedichte. Hrsg. von Roger Perret. Zürich: Limmat-Verlag, 1991
  • Gesammelte Werke und ausgewählte Briefe. 3 Bde. Hrsg. von Roger Perret. Zürich: Limmat-Verlag, 1998

Textausschnitt aus "Ich geh unter lauter Schatten" in "Wäldertraum" [S. 85]

Ich geh unter lauter Schatten

Was ist denn das für eine Zeit –
Die Wälder sind voll von Traumgetier.
Wenn ich nur wüsste, wer immer so schreit.
Weiss nicht einmal, ob es regnet oder schneit,
ob du erfrierst auf dem Weg zu mir –

Die Wälder sind voll von Traumgetier,
ich geh unter lauter Schatten –
Es sind Netze gespannt von dir zu mir,
und was sich drin fängt, ist nicht von hier,
ist, was wir längst vergessen hatten.

Wenn ich nur wüsste, wer immer so schreit?
Ich sucht ihm ein wenig zu geben
von jenem stillen Trunk zu zweit,
voll Taumel und voll von Seligkeit
würd ich den Becher ihm heben –

Weiss nicht einmal, ob es schneit oder regnet...
Sah die Sterne nicht mehr, seit ich dich verliess;
kenn den Weg nicht mehr, den du mir gesegnet,
und zweifle sogar, ob du mir begegnet –
Wer war denn das, der mich gehen hiess?

Aber, du findest doch her zu mir-?
Sieh, es wird Zeit, dass ich ende.
Die Wälder sind voll von Traumgetier
und ich darunter, bin nicht von hier...
Ich gäb alles, wenn ich dich fände!

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