Graf Roger

Roger Graf wurde am 27. November 1958 in Zürich geboren, wo er auch aufwuchs und die Primar- und Realschule besuchte. Bereits während seiner Ausbildung zum Sportartikelverkäufer schrieb Graf erste Gedichte und Kurzgeschichten. Nach diversen Aushilfsjobs und Arbeit als freier Filmkritiker wurde er 1986 Redakteur bei Radio DRS. Bekanntheit erlangte Graf mit der Hörspielserie „Die haarsträubenden Fälle des Philipp Maloney“ die 1989 erstmals ausgestrahlt wurde und bis heute auf Radio DRS 3 gesendet wird. Der Autor hat für sein Erfolgsprodukt über 250 Folgen geschrieben und jedes Jahr kommen ungefähr zwanzig neue dazu. Roger Graf lebt als Schriftsteller, Hörspielautor und Kolumnist in Zürich.

Links
www.rogergraf.ch

Werke:
  • Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney. Zürich: Edition Se 52, 1992
  • Ticket für die Ewigkeit. Ein Fall für Philip Maloney. Zürich: R.Bilger, 1994
  • Tödliche Gewissheit. Krimi. Zürich: Haffmanns, 1995
  • Zürich bei Nacht. Roman. Zürich: Haffmanns, 1996
  • Tanz an der Limmat. Ein Marco-Biondi-Roman. Zürich: Haffmanns, 1997
  • Kurzer Abgang. Roman. Zürich: Kein & Aber, 1998
  • Philip Maloney. Dreissig rätselhafte Fälle. Zürich: Kein & Aber, 1999
  • Philip Maloney und der Mord im Theater. Dreissig haarsträubende Fälle. Zürich: Kein & Aber, 2000
  • Philipp Maloney. Die Leiche im Moor. Fünfzehn haarsträubende Fälle. Bern: Scherz, 2000
  • Die Frau am Fenster. Kriminalroman. Zürich: Ammann, 2003
  • Philip Maloney. Haarige Zeiten. Fünfzehn weitere irrsinnige Fälle. Bern: Scherz-Verlag, 2004
  • Last minute. Zürich: KaMeRu Verlag, 2007
  • Die Frau am Fenster. Bielefeld: Pendragon, 2008
  • Der Mann am Gartenzaun. Bielefeld: Pendragon, 2008
  • Stimmen der Nacht. Kriminelle Erzählungen. Zürich: KaMeRu Verlag, 2008
  • Die rechte Hand. Bielefeld: Pendragon, 2012
  • Der schöne Tod. Winterthur: Vidal, 2014 (Stauffers 4. Fall)

Auszeichnungen:
  • Burgdorfer Krimipreis (1996)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1996)
  • Glauser Nominierung (1997)
  • Zürcher Radiopreis (2010)

Textausschnitt aus "Tödliche Gewissheit" [S. 104-105]

Meine Knie fühlten sich an, als wäre ich mit der kanadischen Eishockeynationalmannschaft zusammengestossen. Jasmin fuhr sich mit einer Hand durch ihre kurzen Haare und schüttelte ihren Körper kräftig durch. Ich verzichtete darauf, weil ich befürchtete, dadurch endgültig auseinanderzufallen.
Es dauerte lange, bis wir zu Stadler und den Sonnenuntergängen durchgelassen wurden. Der Kerl hatte sich nach meinem ersten Besuch so aufgeregt, dass er zwei Tage nicht mehr malen konnte. Die Ärzte befürchteten das Schlimmste. Doch Stadler hatte sich wieder erholt und sass vor der Staffelei. Das Bild kannte ich schon. Es war Sonnenuntergang Nummer 18, Pinselverzeichnis 217. Erstaunlich war nur, dass Stadlers Sonne heute weiss wie ein Schneeball war. Aber das gehörte vermutlich zu seinen therapeutischen Fortschritten.
Ein Arzt mit dicker Hornbrille und Haaren, die in fettigen Strähnen an seinem Kopf hingen, wies uns darauf hin, dass der Patient weiterhin als labil zu betrachten sei. Jasmin zeigte dem Arzt heimlich den ausgestreckten Mittelfinger, während ich wortlos nickte und an ihm vorbei zu Stadler marschierte.
Meine Knie fühlten sich schon etwas besser an, auch wenn ich das Gefühl nicht loswurde, dass mindestens eine Kniescheibe in meine Socke gerutscht war. Da ich kein Gefühl im Fuss hatte, störte mich das nicht. Meine Hand fühlte sich benommen an, als ich auf die weisse Sonne zeigte.
„Ist Ihnen Gelb ausgegangen, Stadler?“
„Wer ist das?“ fragte er. „Eine Psychiaterin? Ich brauche keine neue Therapie. Es genügt, wenn ich malen kann.“
„Das ist Jasmin Weber. Sie interessiert sich für Ihre Lügengeschichten.“
„Sie mögen mich eine Lügner nennen. Das ist mir egal. Ich weiss, was ich zu tun habe.“
„Ja, ja. Sie müssen die Welt retten. Wenn Sie so weitermachen, stopfe ich Ihnen den Pinsel in den Rachen, Stadler.“
„Lass dass“, sagte Jasmin. „Der Arzt beobachtet uns.“

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