Gerster Andrea

Andrea Gerster (geb. 21. April 1959)lebt im Kanton Thurgau und arbeitet als Schriftstellerin und Journalistin. Erste literarische Auszeichnungen erhielt sie 1995. Seit 2002 schreibt sie überwiegend in den Bereichen Literatur, Kunst, Theater und Hörspiel. In präziser Sprache lässt die Autorin in ihren Geschichten behutsam Beziehungsgeflechte entstehen, die ihre Figuren in ihrer gegenseitigen alltäglichen Verstrickung, aber auch in ihrer je eigenen Einsamkeit zeigen.

Links
www.andreagerster.ch
ansichten.srf.ch/autoren/andrea-gerster/
www.art-tv.ch/4712-0-Literatur-Andrea-Gerster.html
www.youtube.com/watch?v=zQfkhyTWweU

Werke:
  • Käfermanns Liebe. Erzählungen. Wettingen/Bern: eFeF, 2004
  • Dazwischen Lili. Roman. Basel: Lenos, 2008
  • Mimosa fliegt. Erzählungen. Hohenems/Wien: Bucher, 2009
  • Instantgeschichten. Kurzprosa (mit Nüssli/Slamanig). St. Gallen: Verlag Saiten, 2010
  • Schandbriefe. Roman. Basel: Lenos, 2010
  • Ganz oben. Roman. Basel: Lenos, 2013
  • Theater:
  • Muttergrollen. Szenische Präsentation (Szenische Präsentation: sogarTheater, Zürich 2007/2008)
  • Reden ist gut. Dramolett (Szenische Präsentation: Theater Liechtenstein 2009)
  • Der Zwerg in mir (Uraufführung: Seeburg Theater, Kreuzlingen 2013)
  • Kunst:
  • Polina: Textfragmente auf Folie (Kulturzentrum Nairs, Graubünden 2005)
  • Mimosa fliegt: Metataphern/Skulptur Gerster/Schmetz (Galerie Bleisch, Arbon 2006)
  • Ausgezeichnet: Gruppenausstellung Förderpreise (Kulturraum, St. Gallen 2008)
  • Möwe - Larus: Ausstellung Monika Drach (Langenargen/Deutschland 2010)
  • Niemandesland: Installation von Sylvia Hostettler, Hörspiel von A. Gerster, Musik von M. Repetti (Kunsthalle Arbon 2011)
  • Ganz oben. Roman. Basel: Lenos, 2013
  • The Best of Tarantino. Zürich: SJW, 2014
  • Verlangen nach mehr. Roman. Basel: Lenos, 2015
  • Ganz oben. Roman. Basel: Lenos, 2016

Auszeichnungen:
  • Literaturpreis der Schweizer Arbeiterzentrale (1997)
  • Gewinnerin Lange Nacht der kurzen Geschichten, Literaturhaus Basel (2002)
  • Werkbeitrag Kanton Thurgau (2003)
  • Gewinnerin Opennet, Solothurner Literaturtage (2003)
  • Werkbeitrag Kanton Thurgau (2003)
  • Stipendium Binz39, Kulturzentrum Nairs, Graubünden/Zürich (2005)
  • Literaturpreis Verlag Bibliothek der Provinz, Linz (2006)
  • Finale, Literaturpreis Biennale Floriana, A, (2006)
  • Förderpreis Literatur Kanton St. Gallen (2006)
  • Werkbeitrag Kanton Thurgau (2009)
  • Berner Kurzgeschichtenpreis (2009)
  • Würth Literaturpreis, Hervorragende Texte (2011)
  • Förderpreis Literatur Kanton Thurgau (2011)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)
  • Buchpreis Baarer Rabe (2013)
  • Anerkennungspreis der UBS Kulturstiftung (2014)
  • Landis & Gyr Stipendium (2016)

Textausschnitt aus „Schandbriefe“ [S. 90 f.]

Warum bist du immer so allein?, fragte er, und seine Stimme echote im Treppenhaus. Brauchst keine Menschen, nur Bücher, hättest mich ja wegmachen können, dass das kein Buch wird in deinem Bauch, war ja wohl klar!
Aik wusste, dass er sich aufführte wie ein selbstgefälliger, dummer Teenager. Seiner Mutter liefen Tränen über die Wangen.
Komm rein, sagte sie mit fester Stimme und schloss die Tür hinter ihm.
Er wollte sie umarmen, doch sie hatte die Hände hochgenommen, um zu verhindern, dass er ihr zu nahe kommen konnte.
Was willst du?, flüsterte sie.
Sie tat ihm plötzlich unendlich leid, und er wollte gutmachen, was nicht gutzumachen war, wollte die letzten Minuten ausradieren, wegwischen.
Einfach nur den Namen, die Adresse und vielleicht die Geschichte, sagte er und kam sich wie ein Erpresser vor.
Aik trug Namen und Adresse seines Vaters stets mit sich herum. Nachdem seine Mutter ihm den Zettel gegeben hatte, meinte sie, dass sie nicht mit ihm über seinen Erzeuger sprechen werde: Dazu kannst du mich nicht auch noch zwingen.
Genauso hatte sie es gesagt. Was für ein Mensch musste sein Erzeuger sein, dass seine Mutter nach so vielen Jahren immer noch derart Mühe damit hatte.
Er dachte an sein Kind, das in wenigen Wochen zur Welt kommen sollte. Er stellte es sich sehr kreativ vor und jetzt beschäftigt damit, seinen inneren Organen den letzten Schliff zu verpassen und die Lungen aufzuplustern für den Notfall; konnte ja sein, dass es sich früher als geplant auf die Reise machen musste.

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