Geerk Frank

Frank Geerk wurde am 17. Januar 1946 in Kiel (Deutschland) geboren. Er wuchs in Weil am Rhein auf. 1966 zog er nach Basel und studierte Philosophie und Psychologie. Ab 1971 war der Autor Mitherausgeber der Zeitschrift „Poesie“. Am 7. Februar 2008 ist Frank Geerk in Basel gestorben. Geerk hat sich vor allem als Lyriker und Verfasser zahlreicher Theaterstücke hervorgetan. In seinen Werken befasst er sich mit den mannigfaltigen Auswirkungen von Macht auf die private Freiheit. Ein besonderes Anliegen vertritt Frank Geerk in seinem Projekt „Humanismus 96“, das zum Ziel hat mit kulturellen Veranstaltungen die Ähnlichkeit von verschiedenen Kulturen zu unterstreichen und Verständnis und Toleranz zu fördern. Geerk lebt heute in Basel.

Werke:
  • Gewitterbäume. Roman. Olten: Walter, 1968
  • Notwehr. 77 Gedichte 1968-1974. Köln: Kiepenheuer&Witsch, 1975
  • Kneipenlieder. Mit R.Brambach, T.Unger. Zürich: Diogenes, 1974
  • Senfbäder sollen noch helfen. Schauspiel in zwei Akten. Basel: Reiss, 1977
  • Prosa. Gedichte. Mit M.Roda Becher. Basel: Pharos, 1979
  • Zorn & Zärtlichkeit. Gedichte zur Begrüssung eines neuen Erdenbewohners. Karlsruhe: von Loeper, 1981
  • Vergiss nicht die Liebe zu töten. 11 Liebesgeschichten. Karlsruhe: von Loeper, 1982
  • Handbuch für Lebenswillige. Poesie und Chansons. Karlsruhe: von Loeper, 1983
  • Der Reichstagsbrand. Schauspiel in drei Teilen. Karlsruhe: von Loeper, 1983
  • Herz der Überlebenden. Aus den Memoiren eines deutschen Indianers. Karlsruhe: von Loeper, 1984
  • Lob des Menschen. Lyrik. Karlsruhe: von Loeper, 1986
  • Das Ende des grünen Traums. Roman. Karlsruhe: von Loeper, 1987
  • Die Rosen des Diktators. Roman. Zürich: Nagel&Kimche, 1990
  • Paracelsus – Arzt unserer Zeit. Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Theophrastus von Hohenheim. Zürich: Benziger, 1992
  • Tag der Gewalt. Roman. Solothurn: Benziger, 1995
  • Die siebte Feindfahrt. Versuche des Stadtschreibers zu Neofaschismus und Fremdenhass. Karlsruhe: von Loeper, 1995
  • Kongress der Weltweisen. Ein Lesebuch des Humanismus. Zürich: Benziger, 1995
  • Die Geburt der Zukunft. Reuchlin, Erasmus und Paracelsus als wegweisende Humanisten. Karlsruhe: von Loeper, 1996
  • Das Liebesleben des Papstes. Der verschwiegene Nachlass des Enea Silvio Piccolomini. Roman. Zürich: Artemis und Winkler, 1997
  • Vom Licht der Krankheit. Gedichte. Karlsruhe: von Loeper, 2000
  • Wortmedizin. Blätter für die Wartezimmer aller Bereiche ärztlicher Praxis. Basel: Schwabe, 2001
  • Die Welt ist das Auge des Sehers. Tagebuch und Aquarelle. Karlsruhe: Loeper, 2003
  • Von Wunden und Wundern. Handbuch der Zaubersprüche. Karlsruhe: Loeper, 2003
  • Das Buch Dominika. Liebesgedichte. Karlsruhe: Loeper, 2006

Auszeichnungen:
  • Gastprofessur für deutsche Literatur an der Universität Austin, Texas (1980)
  • Werkjahr der Pro Helvetia (1982)
  • Dramatikförderung der Konferenz der Schweizer Städte für Kulturfragen (1985)
  • Werkbeitrag Stadt Kiel (1986)
  • Welti-Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1989)
  • Stadtschreiber Kiel (1993/94)
  • Förderpreis Land Baden-Württemberg (1994)
  • Stadtschreiber Weil am Rhein (1995)

Textausschnitt aus "Das Liebesleben des Papstes" [S. 360]

Er schloss das Fenster und drehte sich um. Zufrieden glitt sein Blick über die schlichten weissen Wände, den Schrank, den Reliquienschrein. Ein friedlicher, segensreicher Raum! Er genoss das milde rötliche Licht der Öllampe und der Kerze vor dem Marienbild. Fast eine Mönchszelle! So aber sollte es sein. Was brauchte er mehr als Vater der Christenheit? Sollte man nur berichten, wie bescheiden er lebte!

Aber dann, als sein Blick auf das Bett fiel, war es vorbei mit dem Frieden. Da kroch eine Frau unter den Decken hervor! Eine Frau! Einen junge Frau in einem weissen Leinenkleid! Empört ging Pius zur Tür. Wer hatte sich diesen üblen Scherz erlaubt, dem Papst ein Weib ins Schlafgemach zu schmuggeln? Wie war das überhaupt möglich? Wozu hatte er seine Wachen? Pius dachte sofort an Rodrigo Borgia, den lebenslustigen Vizekanzler, dem alles zuzutrauen war! Aber das war zuviel! Er würde ihn züchtigen müssen!

„Wache!“ schrie er.

Sofort sprang die Tür auf. Mit vorgehaltener Lanze stürzten ihm die beiden Wachen aus dem Vorzimmer entgegen. Pius wies auf das Bett, aber die Wachen schienen ihn nicht zu verstehen. Sie trafen keine Anstalten, die Fremde festzunehmen. Ihr Blick verriet nur blosses Unverständnis.

„Weg mit dieser Frau“, zischte der Papst.

„Ehrwürdigster Vater...“ Das war alles, was er zu hören bekam. Er wies die beiden an, das Bett zu untersuchen. Bereitwillig folgten sie seinem Befehl, vermochten aber offenbar beim besten Willen die Frau nicht zu sehen, die da mit spöttischem Lächeln auf der päpstlichen Lagerstatt lag!

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