Gardi René

René Gardi wurde am 1. März 1909 in Bern geboren und wuchs auch hier auf. Nach der Schulzeit studierte er Mathematik, Physik und Zoologie an der Universität Bern. Anschliessend wirkte er von 1932 bis 1945 als Sekundarlehrer in Brügg bei Biel. 1943 veröffentlichte er seinen ersten Jugendroman; ab 1945 begann seine Karriere als Schriftsteller und Vortragsreisender. Er wurde berühmt mit seinen Reiseberichten und Fotobänden über Skandinavien, Afrika und Neuguinea, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Auch seine Afrika-Filme (1959-1967) fanden grosse Beachtung. Gardis positives Afrika-Bild wirkte in der Schweiz über lange Zeit prägend. 1967 wurde ihm von der Universität Bern der Ehrendoktortitel verliehen. 1994 schreibt Gardi über sich: „Es gibt von mir einige Filme, zehntausende von Fotos, ich hielt etwa 2000 Vorträge und war beim Fernsehen und Radio beschäftigt“. René Gardi starb am 9. März 2000 in Bern.

Links
www.srf.ch/play/radio/sinerzyt/audio/rene-gardi-und-seine-liebe-zu-afrika?id=7c1ac0de-1ab6-4227-a195-df58e01309b2&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7
archiv.onlinereports.ch/2000/GardiRene.htm

Werke:
  • Schwarzwasser. Eine Pfadfindergeschichte. Aarau: Sauerländer, 1943
  • Gericht im Lager. Eine Bubengeschichte. Aarau: Sauerländer, 1944
  • Hans, der junge Rheinschiffer. Eine Geschichte vom Leben auf dem Strom, Aarau: Sauerländer, 1950
  • Mit der Windrose im Knopfloch. Mit Verkehrsfliegern in alle Welt. Aarau: Sauerländer, 1951
  • Bergvolk der Wüste. Zürich: SJW, 1951
  • Propeller über den Wolken. Zürich: SJW, 1953
  • Fische, die ertrinken. Zürich: SJW, 1954
  • Von Lappen und Rentieren. Zürich: SJW, 1955
  • Das verschwundene Steinbeil. Eine Bubengeschichte. Aarau: Sauerländer, 1958
  • Pfahlbauer von heute. Zürich: SJW, 1958
  • Unter schwarzen Fischern. Zürich: SJW, 1961
  • Krokodiljagd in den Lagunen. Zürich: SJW, 1968
  • Mit Rucksack, Zelt und Kochtopf. Ein kleines Wanderbuch. Aarau: Sauerländer, 1936
  • Puoris päivä! Im Flussboot und zu Fuss durch Finnisch Lappland. Bern: Haupt, 1939
  • Finnland. Allerlei über Land und Volk, Sauerländer, Aarau 1940
  • Der Fremde am Tana. Eine Geschichte aus Lappland. Aarau: Sauerländer, 1945
  • Nordland. Unter Fischern an Norwegens Küsten. Zürich: Orell Füssli, 1946
  • Walfischjagd. Erlebnisse bei Walfängern an der norwegischen Küste. Aarau: Sauerländer, 1947
  • Blaue Schleier, rote Zelte. Eine Reise ins Wunderland der südlichen Sahara. Zürich: Orell Füssli, 1950
  • Tschad. Erlebnisse in der unberührten Wildnis um den Tschadsee. Zürich: Orell Füssli, 1952
  • Spitzbergen. Land der kühlen Küste. Bern: Haupt, 1952
  • Vom glückhaften Wandern. Ein Brevier für Reiselustige. Bern: Kümmerly & Frey, 1952
  • Mandara. Unbekanntes Bergland in Kamerun. Zürich: Orell Füssli, 1953
  • Der schwarze Hephästus. Ein Bilderbuch über die Schmiede der Matakam in den Mandara-Bergen Nordkameruns und ihre urtümliche Kunst, Eisen zu gewinnen. Bern: Selbstverlag, 1954
  • Von frohgemuten Ferien. Bern: Kümmerly & Frey, 1955
  • Kirdi. Unter den heidnischen Stämmen in den Bergen und Sümpfen Nordkameruns. Bern: Scherz, 1955
  • Tambaran. Begegnung mit untergehenden Kulturen auf Neuguinea. Zürich: Orell Füssli, 1956
  • Sepik – Land der sterbenden Geister. Bilddokumente aus Neuguinea. Bern: Scherz, 1958
  • Vom Mittelmeer zum Tschad (Sammelbilderalbum). Bern: Tobler, 1959
  • Wiedersehen mit Lappland (Sammelbilderalbum). Bern: Tobler, 1961
  • Wenn Sie nach Syrien gehen... (mit Klaus Schädelin). Bern: Scherz, 1958
  • Schwarzes Arkadien, Orell Füssli, Zürich 1962
  • Sardinien (Sammelbilderalbum). Bern: Tobler, 1963
  • Provence (Sammelbilderalbum). Bern: Tobler, 1963
  • Kiligei. Heitere und ernste Erlebnisse in Afrika. Aarau: Sauerländer, 1964
  • Von Kerlen und Käuzen. Begegnungen unterwegs. Bern: Gute Schriften, 1967
  • Sahara. Monographie einer großen Wüste. Bern: Kümmerly & Frey, 1967
  • Unter afrikanischen Handwerkern. Begegnungen und Erlebnisse in Westafrika. Bern: Selbstverlag, 1969
  • Heiteres aus Afrika. Kleine Geschichten aus meinen Tagebüchern Bern: Benteli, 1969
  • Felsbilder der Sahara im Tassili n’Ajjer. Bern: Hallwag, 1969 (Orbis Pictus 52)
  • Cram-Cram. Erlebnisse rund um die Air-Berge in der südlichen Sahara. Bern: Benteli, 1971
  • Auch im Lehmhaus lässt sich’s leben. Über traditionelles Bauen und Wohnen in Westafrika. Bern: Selbstverlag, 1973
  • Sehr verehrte Damen und Herren. Bern: Benteli, 1974
  • Weisheiten und Narrheiten. Bern: Benteli, 1975
  • Tenere. Die Wüste, in der man Fische fing. Zwischen Sahara und Sahel. Bericht über drei Reisen in den Osten der Republik Niger. Bern: Benteli, 1978
  • Alantika. Vergessenes Bergland in Nordkamerun. Bericht über zwei Reisen im Abstand von fünfundzwanzig Jahren. Bern: Selbstverlag, 1981

Auszeichnungen:
  • Buchpreis der Stadt Bern (1948, 1951, 1954, 1960 und 1969)
  • Schweizer Jugendbuchpreis für das Gesamtwerk 1963
  • Ehrendoktor in Ethnologie der Universität Bern (1967)

Textausschnitt aus Alantika: Vergessenes Bergland in Nordkamerun

Am nächsten Tag erhielt ich wieder einmal trotz aller Erfahrung auf vielen Reisen eine afrikanische Lektion. Ich hatte Jia zu Voksi geschickt, uns anzumelden und ihn zu bitten, uns am nächsten Tag drei Träger nach Wangai zu schicken. Ich bestellte sie auf den Zeitpunkt des höchsten Sonnenstandes in der Meinung, da sie ja doch eine oder zwei Stunden zu spät kämen, ergäbe das für unsern Abmarsch eine gute Zeit. Aber die drei Burschen, stämmige, kleingewachsene Koma, waren schon vor neun Uhr da. Da wir ja weder gepackt hatten noch willens waren, in der heissen Mittagszeit unterwegs zu sein, wusste ich nichts mit ihnen anzufangen. So schickte ich sie mit Jia weg und befahl, um zwei Uhr auf alle Fälle wieder zurück zu sein. Wir wussten, dass Voksi nun in einer bequemen Nähe wohnte, mehr als zwei Stunden weit hatten wir nicht zu gehen.
Um zwei Uhr war keiner der vier Kerle da, um drei Uhr wartete ich immer noch voller Ungeduld und schickte zwei Buben auf die Suche nach Jia. Eine halbe Stunde später brachten sie ihn, aber er kam ohne die Träger. Ich schimpfte erbost über ihn und die Unzuverlässigkeit der Afrikaner. Ganz ohne Grund nach der Meinung Jias. Es sei doch gar nicht möglich gewesen, früher zu kommen, erklärte er mir umständlich und treuherzig. Gegen Mittag plagte ihn und die drei andern der Hunger. Also ging man zu einem Nachbarn und kaufte dort Hirse. Die harten Körner musste man zuerst «piler», das bedeutet, sie im Mörser vom Spelz befreien. Dann wusch man die Hirse, liess sie an der Sonne trocknen und zerstiess sie im gleichen Mörser zu Mehl; erst jetzt konnte man sie kochen. Nach dem Essen ging Jia ins Dorf, denn Voksi hatte ihm Geld mitgegeben, um eine Flasche Arachide-Öl zu kaufen. Da es in Wangai keinen Kramladen gibt und nicht Markttag war, musste er in verschiedenen Häusern fragen, bis man ihm seine Flasche füllte. Ausserdem hatte er den Auftrag, Voksis erster Frau schwarzen Pfeifentabak heimzubringen.
All das brauchte Zeit, das musste ich doch einsehen! Jia verzog fröhlich lachend seinen breiten Mund fast bis zu den Ohren und zeigte seine wundervollen Zähne, die so stark waren, dass er imstande war, damit verkapselte Bierflaschen zu öffnen. Während seines Berichtes über die Schwierigkeit, pünktlich zu sein, schaute er mich mit den Augen eines unschuldigen jungen Hundes an, so dass ich das Schimpfen und den Ärger vergass.

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