Gabathuler Alice

Alice Gabathuler (geb. 28. November 1961) entdeckte schon während ihrer Schulzeit die Faszination, die Welten, die sich zwischen zwei Buchdeckeln befinden, ausüben können. Als Jugendliche entdeckte sie das Schreiben als Ausdrucksmittel, und während ihrer Ausbildung zur Lehrerin verliebte sie sich in die englische Sprache. Nach einem Jahr Berufserfahrung zog es sie in die Welt hinaus. Das Jonglieren mit Sprache und Schrift liess sie aber nie mehr los. Sie arbeitete als Radiomoderatorin und Werbetexterin, als Co-Leiterin einer eigenen Schule, als Englischlehrerin. Ihre Liebe zur englischen Sprache führte sie in die Rocky Mountains, nach London und nach Australien. 2009 verkaufte sie ihren Anteil an der Englischschule und arbeitet seitdem als freie Schriftstellerin mit einem kleinen Teilpensum Englisch. Heute lebt sie mit Ehemann, zwei Kindern und Katze in Werdenberg im Kanton St. Gallen. Die Wahl des Genres war mit Alice Gabathulers eigener Vorliebe für Krimis und Thriller und ihrem gradlinigen, knappen Stil quasi vorgegeben. Dass sie für ein jugendliches Publikum schreibt, hängt damit zusammen, dass sie diese Altersstufe zwischen Kindheit und Erwachsensein mit all ihren psychischen Konflikten fasziniert. Für ihr Schaffen im Bereich der Jugendliteratur ist sie von der Pro Helvetia 2011 mit einem Werkbeitrag ausgezeichnet worden.

Links
www.alicegabathuler.ch
www.nahaufnahmen.ch/2010/12/04/interview-mit-alice-gabathuler/
www.aargauerzeitung.ch/beitrag/leserbeitrag/ihr-seid-innere-konflikte-auf-zwei-beinen-alice-gabathuler-128968698

Werke:
  • Blackout. Stuttgart: Thienemann, 2007
  • Schlechte Karten. Stuttgart: Thienemann, 2008
  • Das Projekt. Stuttgart: Thienemann, 2008
  • Mordsangst. Stuttgart: Thienemann, 2009
  • 50 Riesen. Stuttgart: Thienemann, 2009
  • Starkstrom. Stuttgart: Thienemann, 2009
  • Freerunning. Stuttgart: Thienemann, 2010
  • dead.end.com. Stuttgart: Thienemann, 2011
  • Matchbox Boy. Stuttgart: Thienemann, 2012
  • no_way_out. Stuttgart: Thienemann, 2013
  • Blue Blue Eyes. Stuttgart: Thienemann, 2014
  • Black Rain. Stuttgart: Thienemann, 2014
  • White Sky. Stuttgart: Thienemann, 2015
  • Red Rage. Stuttgart: Thienemann, 2015
  • Die Mutprobe. Zürich: SJW, 2015
  • Ich, Onkel Mike und Plan A. München: Ars edition, 2016
  • Abhauen ist was für Feiglinge. Books on Demand, 2016

Auszeichnungen:
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)

Textausschnitt aus "Starkstrom" [S. 7]

"T.N.T. It's dynamite!" Millionen von Hirnzellen in Jonas' Kopf tanzen den Angus-Young-Entengang. Jonas tanzt nicht. Er liegt auf dem Bett, die Faust in die Höhe gereckt, und zeigt dem Leben den Mittelfinger. Die Gitarren jaulen, die Stimmen peitschen den Gesang voran [...] Das Dynamit von AC/DC kracht aus den Kopfhörern direkt in die Gehörgänge.
Scheiss drauf! Auf Vater. Auf seine Sturköpfigkeit. Auf seinen absoluten Unwillen, Jonas auch nur zuzuhören.
Der Song endet in einem tosenden Finale. Im Riss zwischen den Liedern hallt das Echo der Gitarren nach. Ganz kurz hört Jonas die Regentropfen auf die Dachziegel knallen, jeder wie ein Schuss aus einem Maschinengewehr. Dann hämmert der erste Glockenschlag von "Hells Bells" gegen seine Schädeldecke. Beim dritten Gong knattert der Presslufthammer von Nachbar Danuser los. Der verrückte Kerl gräbt seit zwei Jahren rund um sein Haus nach Sondermüll. Rastlos, unermüdlich und in gleicher Lautstärke wie AC/DC bei ihren Konzerten. Wenn Vater schlechte Laune hat, und das hat er oft, dann vergleicht er Jonas' Musik mit Danusers Arbeitsgerät. Beides betrachtet er als persönlichen Angriff auf seine Person, eine Rebellion gegen sein Weltbild. Beides ist für ihn inakzeptabel. Vielleicht findet Jonas deshalb seinen Nachbarn irgendwie ziemlich cool.

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