Federer Heinrich

Heinrich Federer wird am 7.10.1866 in Brienz geboren. Seine Kindheit verbringt er an seinem Geburtsort und in Sachseln. Schon früh leidet er an schwerem Asthma, welches ihn auch beim Besuch des Kollegiums in Sarnen stark beeinträchtigt. Die Eltern Federers sterben im Jahr 1886 und der weitgehend mittellose junge Mann entscheidet sich zum Studium der Theologie, welches er mit krankheitsbedingten Unterbrüchen, nach Aufenthalten in Eichstätt (Bayern), Luzern und Freiburg i.Ü. im Jahr 1892 abschliesst. Bis kurz vor der Jahrhundertwende absolviert Heinrich Federer seine Kaplanzeit im toggenburgischen Jonschwil. 1899 zwingt in seine Krankheit den Beruf des Priesters aufzugeben und er wird Redaktor bei den katholischen „Zürcher Nachrichten“ und schreibt Artikel für das Luzerner „Vaterland“. Im August 1902 kommt es zur grossen Wende im Leben Federers: Er wird verhaftet und des homosexuellen Umgangs mit einem Minderjährigen angeklagt. Nach mehreren Wochen Untersuchungshaft wird Heinrich Federer mangels Beweisen frei gesprochen. Sein guter Ruf jedoch ist zerstört. Er verliert seine Stelle und lebt fortan unter kümmerlichen Verhältnissen in Zürich. Seinen Lebensunterhalt verdient sich Federer mit Feuilletons und Rezensionen für Zeitschriften und Zeitungen. 1908 gewinnt er bei einem literarischen Wettbewerb der Zeitschrift „Daheim“ den ersten Preis. Dies ist zugleich der Beginn der erfolgreichen schriftstellerischen Karriere Heinrich Federers, der mit seinen Romanen Erfolge im gesamten deutschsprachigen Raum feiert. Inspiration fand der Dichter in seinen zahlreichen Italienreisen. Am 29. April 1928 stirbt Heinrich Federer in Zürich.

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Werke:
  • Vater und Sohn im Examen. Novelle. Berlin: 1909
  • Lachweiler Geschichten. Berlin: 1911
  • Berge und Menschen. Roman. Berlin: 1911
  • Pilatus. Roman. Berlin: 1912
  • Jungfer Therese. Roman. Berlin: 1913
  • Sisto e Sesto. Novelle. Heilbronn: 1913
  • Das letzte Stündlein des Papstes. Erzählung. Berlin: 1914
  • Das Mätteliseppi. Roman. Berlin: 1916
  • Umbrische Reisegeschichtlein. Heilbronn: 1917
  • Spitzbube über Spitzbube. Erzählungen. Berlin: 1921
  • Papst und Kaiser im Dorf. Berlin: 1924
  • Regina Lob. Aus den Papieren eines Arztes. Roman. Berlin: 1925
  • Am Fenster. Jugenderinnerungen. Berlin: 1927
  • Ich lösche das Licht. Gedichte. (posthum). 1930

Auszeichnungen:
  • Erster Preis der Berliner Zeitschrift „Daheim“ (1908)

Textausschnitt aus "Sisto e sesto" [S. 176]

Vor vierhundert Jahren hausten in den sibillinischen Bergen weitverzweigte Banden von Räubern. Steg und Weg war unsicher und den Schurken weder mit Gesetz noch mit Gewalt beizukommen. Denn die kleinen Fürsten von Spoleto und Foligno und Nursia herauf und von den jenseitigen Marken herüber bedienten sich der Briganten bald für private Heimlichkeiten, bald für ihre offene Hauspolitik. Ja, angesehene Reisende wie Botschafter und kirchliche Nuntien, die auf dem kürzesten Wege von einem zum andern Meere reisen wollten, mussten gern oder ungern solche Wildleute zu Wegweisern nehmen. Aber wer glaubte nun das: die blutigsten Banditen wohnten bei ihrer Familie im Dorf und lagen, wenn sie nicht räuberten und mordeten, so sanft phlegmatisch wie nur je ein zahmes Menschlein im Gras unter Kind und Kegel und kauten an einem Halm oder schoren ein Schaf oder orgelten ein Scherzlied aus der Handharmonika.

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