Dobelli Rolf

Rolf Dobelli wurde 1966 in Luzern geboren. Nach der Matura an der Kantonsschule Reussbühl in Luzern studierte er an der Universität in St.Gallen Betriebswirtschaft. Dobelli schloss sein Studium mit der Promotion ab und arbeitete mehrere Jahre als Finanzchef und CEO verschiedener Tochterfirmen des Swissair-Konzerns. Er lebte in Australien, Hongkong, England und in den USA. 1998 gründete der Manager seine eigene Firma "getAbstract", die grösste Anbieterin von komprimierter Wirtschaftsliteratur weltweit. Rolf Dobelli lebt heute in Miami und in Luzern. Grosses Aufsehen erregte Dobellis literarischer Erstling "Fünfunddreissig", in welchem er den oberflächlichen Glanz der Wirtschaftswelt demontiert. Dem erfolgreichen Debüt liess der Unternehmer vor kurzem eine Fortsetzung folgen. Neben der Arbeit in seiner Firma schreibt Dobelli auch ab und zu für Wirtschaftszeitungen und –zeitschriften.

Links
www.dobelli.com
www.srf.ch/play/tv/literaturclub/video/die-kunst-des-klaren-denkens-von-rolf-dobelli?id=a789f1fa-5f77-4913-a8a1-17d3f9bc90f1
www.zeit.de/2012/35/Rolf-Dobelli-Kunst-des-klaren-Denkens

Werke:
  • Fünfunddreissig. Eine Midlife Story. Zürich: Diogenes, 2003
  • Und was machen Sie beruflich? Zürich: Diogenes, 2004
  • Himmelreich. Zürich: Diogenes, 2006
  • Turbulenzen - 777 bodenlose Gedanken. Zürich: Diogenes, 2007
  • Wer bin ich? 777 indiskrete Fragen. Zürich: Diogenes, 2007
  • Massimo Marini. Roman. Zürich: Diogenes, 2010
  • Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. München: Hanser, 2011
  • Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen. München: Hanser, 2012
  • Fragen an das Leben. Zürich: Diogenes, 2014
  • Klar denken, klug handeln. München: Hanser, 2015

Textausschnitt aus "Und was machen Sie beruflich?" [S. 196-197]

Seit Gehrer arbeitslos ist, gehen die Kapseln für die Espressomaschine nie mehr aus. Auch Zahnpasta gibt es immer genug. Gehrer, wie er versucht, sich auf einer niedrigen Mehrwertstufe unabdingbar zu machen. Einen solchen Mann hätte sie sich auch mieten können, denkt er manchmal.

Weil Jeannette nie da ist, besitzt das Organigramm von Gehrers Haushalt nur ein Feld. Es ist das Feld für den CEO oder den Butler, es spielt keine Rolle.

Was vorhanden ist, ist keine Leere, sondern weniger. In diesem Weniger-als-nichts ist er rundum beschäftigt mit Kleinigkeiten: Ihr Auto muss zur Inspektion, der Kühlschrank tropft, tote Fliegen auf dem Teppich müssen aufgelesen werden. Selbst die Post ist nicht aufzuhalten.

Er leidet nicht. Es geht ihm besser als den meisten Arbeitenden. Es stört ihn bloss, dass er nur noch sich selbst hat, der ihn beschäftigt, der gleichzeitig alle Rollen spielen muss – den unfähigen Vorgesetzten, den arroganten Arbeitskollegen, die blöde Kuh aus der Personalabteilung – alles im eigenen Kopf und alles simultan, und klagen muss er`s erst noch sich selbst. Das ganze Theater eines normalen Arbeitstages muss er jetzt sich selbst vorspielen – und er ist jedesmal selbst der Angeklagte, wenn der Kühlschrank immer noch tropft oder die toten Fliegen sich nicht von selbst hinaustragen. Die Rollenverteilung in der Arbeitswelt sackt beim arbeitslosen Manager auf einen einzigen Punkt zusammen – ihn selbst.

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