Cueni Claude

Am 13. Januar 1956 kam Claude Cueni (Pseudonym: Martin Schwarz, Nadine Nauer u.v.a.) in Basel auf die Welt. Hier besuchte er die Schule, die er kurz vor der Handelsmatura verliess, um Schriftsteller zu werden. Lehr- und Wanderjahre führten ihn durch Europa, seinen Lebensunterhalt verdiente er mit Gelegenheitsarbeiten, die jeweils auch der "Stoffbeschaffung" dienten. So wirkte er u.a. als Kellner, Briefträger, Magaziner, Bahnhofsarbeiter, als Kanzleiassistent auf einem Strafgericht, als Verkäufer in einem Waffengeschäft, als Nachhilfelehrer und als Sekretär eines Roulettespielers oder eines iranischen Händlers sowie als Werbetexter. Zehn Jahre lang bemühte er sich erfolglos um die Veröffentlichung seiner schriftstellerischen Arbeiten. 1976 gab er sein erstes Büchlein "Quasi" im Eigenverlag heraus, vier Jahre später folgte dann im Verlag Sauerländer "Ad acta" (1980). Seither veröffentlichte Claude Cueni zahlreiche Kriminalromane, Hörspiele und Theaterstücke. Zudem schrieb er über 50 Drehbücher für Film und Fernsehen (Tatort, Eurocops, Peter Strohm, Der Clown, Alarm für Cobra 11), die verfilmt und mittlerweile in 46 Ländern ausgestrahlt wurden. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit gründete Claude Cueni 1990 die Softwarefirma "Black Pencil AG", mit der er die ersten interaktiven TV-Telefoniespiele in Europa entwickelte, aber auch 3D-Rekonstruktionen für das British Museum in London oder Games für die Unterhaltungssysteme von Airlines oder Casinos. Sein Anti-Aids-Game "Catch the Sperm" wurde zum Welterfolg. Mit dem ersten Band seiner breitangelegten Geldtrilogie "Cäsars Druide " gelang Claude Cueni 1998 ein internationaler Erfolg. Das auf Cäsars Gallischem Krieg basierende Sittengemälde wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der zweite Band, "Das Grosse Spiel", erschien 2006 und erzählt das Leben des Spielers, Frauenhelds und Mathematikgenies John Law, der zur Zeit des Sonnenkönigs in Frankreich erstmals Papiergeld einführte. Das Buch wurde mittlerweile in 13 Sprachen übersetzt. Der letzte Band der Geldtrilogie "Gehet hin und tötet" (2008) ist ein Vatikan-Thriller, der die Finanzkrise vorweg nimmt und nebenbei die Ursprünge des Christentums thematisiert. Nach dem Tod seiner Ehefrau (2008) zog Cueni mit seinem Sohn nach Hongkong, wo er ein Jahr später an einer ALL-Leukämie erkrankte. Seitdem wohnt er in Allschwil und ist infolge der chronischen Nebenwirkungen einer Knochenmark-transplantation in Dauerbehandlung. Claude Cueni ist in zweiter Ehe verheiratet und schreibt heute ausschliesslich Romane, Kolumnen und Satiren. (Fotografie: Claude Giger)

Links
www.cueni.ch
de.scribd.com/doc/139035909/REZENSION-weltwoche-5-2007
www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=17775

Werke:
  • Quasi. Selbstverlag 1976
  • Ad acta. Roman. Aarau: Sauerländer, 1980
  • Weisser Lärm. Roman. Aarau: Sauerländer, 1981
  • Schneller als das Auge. Roman. Zürich: Diogenes, 1987
  • Der vierte Kranz. Roman. Zürich: Benziger, 1990 (Neuausgabe u.d. Titel: Du wirst an mich denken, 2013)
  • Cäsars Druide. Roman. München: Heyne, 1998
  • Das grosse Spiel. Roman. München: Heyne, 2006
  • Gehet hin und tötet. Roman. München: Heyne, 2008
  • Der Henker von Paris. Roman. Basel: Lenos, 2013
  • Das Gold der Kelten. Roman. Basel: Lenos, 2014
  • Script Avenue. Autobiografischer Roman. Gockhausen: Wörterseh, 2014
  • Giganten. Historischer Roman. Gockhausen: Wörterseh, 2015
  • Pacific Avenue. Roman. Gockhausen: Wörterseh, 2015
  • Godless Sun. Zürich: Offizin, 2016
  • Drehbücher
  • Der Millionenfund (1986)
  • Der Astronaut (1987)
  • Kampf ums Glück (1987)
  • Lucas lässt grüssen (1988)
  • Peter Strohm (1989-1993)
  • Eurocops (1988-1990)
  • Auf der Suche nach Salome (1990)
  • Alarm für Cobra 11 (1995-1996)
  • Der Clown (1996-1997)
  • Theater
  • Longitudinalstudie (Uraufführung: Basler Theater, 1982)
  • U2 oder die Katastrophe sind wir (Uraufführung: Bühnen der Stadt Bonn, 1985)
  • Tie Break für Crazy Horse (Uraufführung: Neumarkt Theater Zürich, 1990)
  • Hörspiele
  • Ohne Preis kein Fleiss (WDR, NDR, SRG 1982)
  • Das andere Land (WDR 1982)
  • Die Klon Affäre (SRG 1983)
  • Parkgarage (SRG 1986)
  • Sprechstunde (SRG, WDR 1987)
  • Fax (SRG 1990)
  • Die Hörbriefe von Crazy (SRG 1993)

Auszeichnungen:
  • Welti-Preis für das Drama (1982)
  • Nomination der Royal Television Society London (1989)

Textausschnitt aus "Der Henker von Paris" [18 f., 161 f., 372 f.]

"Ich werde alles tun, was Sie verlangen, wenn ich in ihrer Scheune bleiben kann, bis mein Regiment abgezogen ist."
"Das sagt sich so leicht, aber würdest du auch einen Pakt mit dem Teufel schliessen?"
"Ja", sagte Jean-Baptiste, "aber Sie sind nicht der Teufel. Sie können Schmerzen lindern."
Der Hüne neigte nachdenklich den Kopf und musterte ihn eindringlich. Nach einer Weile sagte er: "Ich kann Schmerzen lindern, weil ich auch Schmerzen zufügen kann. Ich bin wie das Feuer. Es kann eine Wunde heilen, aber es kann auch eine Wunde zufügen, Schmerz verursachen. Wenn du in meine Welt trittst, betrittst du die Welt des Schmerzes."

[…]

"Wenn du nach getaner Arbeit nach Hause kommst, kannst du Stricke schmieren oder das Schwert schleifen. Das hilft auch. Ich habe immer Stricke geschmiert. Und wenn es nicht gereicht hat, habe ich die alten, gebrauchten Stricke zerschnitten. Du kriegst dafür zehn Sou. Für ein kleines Stück Strick. Da kommt eine Menge zusammen. Ich kenne viele Leute, die mit einem Stück Galgenstrick in der Hosentasche herumlaufen. Sie behaupten, es bringe Glück. Ich weiss nicht, warum. Ich habe ja eine ganze Sammlung von Stricken, und es hat mir kein Glück gebracht. Auf jeden Fall bringt es Frieden in deine Seele, wenn du nach getaner Arbeit Stricke schmierst."

[…]

Der Fluss, sagte Charles melancholisch, sei der wahre Lehrmeister des Lebens. "Alles fliesst. Nichts bleibt stehen. Du kannst den Fluss nicht festhalten, Henri. Das Wasser zerrinnt in deinen Händen. So ist das Leben. Du schwimmst mit, und kein Tropfen ist von Bedeutung, aber alle Tropfen zusammen, alle zusammen mögen eine Bedeutung haben, aber es spielt keine Rolle. Hast du schon einmal versucht, dir einen Tropfen Wasser im Fluss zu merken? Am Ende spielt eh alles keine Rolle. Ob du kurz oder lange gelebt hast, die Ewigkeit relativiert die Anzahl der Jahre, die du hier auf Erden verbracht hast. Und letztendlich hat auch der Fluss keine Bedeutung."
"Vater", sagte Henri, "wieso sprichst du so?"
"»Der Tod ist die Befreiung und das Ende aller Übel. Über ihn gehen unsere Leiden nicht hinaus. Er versetzt uns in jene Ruhe zurück, in der wir lagen, ehe wir geboren wurden."

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