Corrodi Wilhelm August

Wilhelm August Corrodi wurde am 27. Februar 1826 in Zürich als Sohn eines Pfarrers geboren. Die Mutter starb schon bald nach der Geburt. Corrodi wuchs in Töss bei Winterthur und besuchte das Gymnasium. Schon in frühen Jahren machte sich die Begabung im Malen und Dichten bemerkbar. Nach dem Studium der Theologie von 1845-47 in Zürich und Basel, dass er abbrach, folgte die Ausbildung an der Kunstakademie in München (1847-51), wo der junge Schweizer mit dem dortigen Dichterkreis in Verbindung stand. Der Durchbruch als Maler gelang ihm aber nicht und so kehrte Corrodi in die Schweiz zurück. Ab 1854 lebte er in St.Gallen als Zeichner und freier Schriftsteller. Von 1862 bis 1881 hatte der Autor eine feste Anstellung inne. Als Zeichenlehrer an den höheren Stadtschulen in Winterthur konnte er seine Leidenschaft für die Malerei vermitteln. Nach seinem Rücktritt kehrte er nach Zürich zurück, wo er am 16.8.1885 in Hottingen (heute Zürich) starb. Die ersten literarischen Versuche startete Corrodi in den 1850er Jahre auf Anregung Eichendorffs, von dem er sich inspiriert fühlte. Ein langjähriger Briefwechsel zeugt vom regen Austausch mit dem schlesischen Poeten, der ihn auch im Entschluss, sich der Kinderliteratur zu widmen, unterstützte. Corrodi verfasste Erzählungen, Märchen und Theaterstücke für Kinder, die er selber illustrierte. Doch auch für den erwachsenen Leser blieb er tätig. Zum vielfältigen Werk gehören Lieder, Romane, Erzählungen, Lustspiele im Schweizer Dialekt, sowie die bekannten Hexameterepen aus den Jahren 1857-1860 (De Herr Professer, De Herr Vikari, De Herr Dokter). Hier versuchte Corrodi antike Formen in mundartliche Idyllenpoesie einzubürgern.

Werke:
  • Lieder. Kassel: Luckhardt, 1853
  • Ferientage auf Onkels Schloss. Erzählungen und Bilder für Mädchen und Knaben von sieben bis zwölf Jahren. Kassel: Luckhardt, 1853
  • Ein Buch ohne Titel, aber für Kinder von sieben bis siebenmal sieben Jahren. Gestellt und illustrirt von August Corrodi. St.Gallen, 1855
  • Dur und Moll. Aus Natur und Leben. St.Gallen: Jwan Tschudi, 1855
  • Waldleben. Prosa und Dichtung. St.Gallen: J.Tschudi, 1856
  • Für mein kleines Völklein. Geschichten und Märchen. Geschrieben und gezeichnet von August Corrodi. Stuttgart: Schmidt&Spring, 1856
  • Sommerblumen für die Winterszeit. 1857
  • Sonne und Wolken. 1857
  • De Herr Professer. Jdyll aus dem Züribiet. Winterthur: Steiner, 1857
  • Reisebriefe aus der Schweiz und Mailand. Luzern: s.n., 1857
  • Aus jungen Jahren. 1857
  • De Herr Vickari. Winteridyll usem Züripiet. Winterthur: s.n., 1858
  • Aus Wald und Feld. 1858
  • Feldblumen. 1858
  • Dorfgeschichten für die Jugend. 1858
  • Für Kinder. 1859
  • De Herr Dokter. Herbstidyll usem Züripiet vum August Corrodi. Winterthur: s.n., 1860
  • Schloss Waldegg und seine Bewohner. Ein Sommerferienbuch für die Jugend. Stuttgart: Schmidt&Spring, 1860
  • Ernste Absichten. Ein Frühlingsbuch. Winterthur: s.n., 1860
  • Deutsche Kindersprüche mit Bildern. 1860
  • Deutsche Reime und Räthsel in 36 Blättern. Glogau: Flemming, 1861
  • Geschichtenbuch für Kinder. 1865
  • Blühendes Leben. Roman in zwei Büchern. Bern: Haller, 1870
  • De Herr Dokter. Familienbild in vier Akten. Nach seinem Jdyll dramatisiert von August Corrodi. Zürich: s.n., 1872
  • De Ritchnecht. Lustspiel in drei Akten. Zürich: s.n., 1873
  • Immergrün in Gedichten und Geschichten. 1874
  • Deutsches Kindertheater. Aarau: s.n. 1874/75
  • De Maler. Familiebild i 3 Akte. Zürich: s.n., 1875
  • Eine Pfarrwahl. Zeitbild in fünf Akten. Aarau: Sauerländer, 1877
  • D`Badenerfahrt. Lustspiel in zwei Akten und in Zürcher Mundart. Zürich: s.n., 1879
  • Der Sang vom Ärger. Zürich: s.n., 1881
  • Geschichten. Mit Portrait und Facsimile des Verfassers. Zürich: s.n., 1881
  • Den Studenten. Wörtliche Bilder zu bildlichen Worten. Zürich: s.n., 1881
  • De Vater chunnt! E gspängstitgs Lustspiel i vier Akte. Us der latinische Mostellaria scilicet fabula vum Titus Maccius Plautus ist Schwizertütsch übereglupft und zwäg ggattiget vum August Corrodi. 1882

Textausschnitt aus "De Herr Dokter" [S. 60]
Aber es guetetem gli, woner iez sin ghuuftige Grümpel
Langsam wieder durgaht; die Sache füehrede wieder
Wiit i die alte Ziite zruck, i d`Ziite der Dorfschuel,
Ufen i d`Sekundarschuel dänn, `s Gymnasium, d`Hochschuel;
Alli sind repräsentiert i stattlicher bunter Versammlig.
`S Sünneli schiint dur de Lade und d`Tuube gruugged am Dachfirscht.
Uf mitem Lade! I vollem Strom und lieblicher Wärmi
Fallt iez `s Tagliecht i und i breite wahlede Schichte
Tanzet de Staub und bildet e Strass voll Gflimmer und Gfunkel
Bis wiit hindren i`s Gmach, und immer breiter und voller
Wird die Strass, je mehn-er verrodt, alueget und ufthuet.
Das ischt ebe si Freud, - o nu rächt glungene Grümpel,
Alti verrosteti Waar und gäl vermodreti Schrifte!
Da cha `s Dökterli schwelge drinn und Stunde verstuune –
Lachmere nu nid us! – E Grümpelchammer, en alti,
Ischt es Bild ja vum Läbe, und dafür nimmts au de Dokter.
Meh na, er nimmts na ernster und macht Kapitel und Abschnitt
Drus, us der Waar, und ordnet sie iez sorgfeltig und langsam,
Streng nach der Chronologie as biographischi Dänkmal

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