Camenisch Arno

Arno Camenisch wurde 1978 in Tavanasa geboren. Dort absolvierte er die Primar- und die Sekundarschule. Anschliessend besuchte er das Lehrerseminar in Chur. Nach ausgedehnten Reisen in fast alle Kontinente liess er sich in Biel nieder, wo er auch jetzt wohnt. Er studierte dort am Schweizerischen Literaturinstitut. Er ist Mitglied des Spoken-Word-Ensembles „Bern ist überall“, und er gilt als brillanter Performer seiner Texte. Camenisch schreibt auf Deutsch und Romanisch (Sursilvan) Gedichte, Prosa und für die Bühne. Er hat in seinen ersten drei Büchern eine eigene literarische Sprache zwischen Deutsch und Romanisch entwickelt, die sich vor allem an der Alltagssprache orientiert. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bild: Yvonne Böhler

Werke:
  • Buchpublikationen:
  • Ernesto ed autras manzegnas. Trun: Romania, 2005
  • Sez Ner (romanisch und deutsch). Basel: Urs Engeler Editor, 2009
  • Hinter dem Bahnhof. Holderbank: Engeler-Verlag, 2010
  • Ustrinkata. Solothurn: Engeler-Verlag, 2012
  • Las flurs dil di. Solothurn: Engeler-Verlag, 2013
  • Fred und Franz. Solothurn: Engeler-Verlag, 2013
  • Nächster Halt Verlangen: ein paar Kolumnen. Solothurn: Engeler-Verlag, 2014
  • Die Kur. Solothurn: Engeler-Verlag, 2015
  • Die Launen des Tages: Geschichten II. Schupfart: Engeler-Verlag, 2016
  • Hörbücher:
  • Sez Ner (Hörbuch romanisch und deutsch). Sprecher: Arno Camenisch. Chur: Chasa Editura Rumantscha, 2010
  • Hinter dem Bahnhof (Hörbuch). Sprecher: Arno Camenisch. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2010

Auszeichnungen:
  • Plema d’aur (2001)
  • Publikumspreis der Rätoromanischen Literaturtage Domat/Ems (2003)
  • Rätoromanischer Literaturpreis „Premi Term Bel“ (2010)
  • Förderpreis des Kantons Graubünden (2010)
  • "Sez Ner" war auf der Shortlist zum Rauriser Literaturpreis (2010)
  • Berner Literaturpreis für "Sez Ner" (2010)
  • ZKB-Schillerpreis für "Sez Ner" (2010)
  • Berner Literaturpreis für "Hinter dem Bahnhof" (2011)
  • Eidgenössischer Literaturpreis für "Ustrinkata" (2012)
  • Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg (2013)
  • Raiffeisen-Kulturpreis (2013)
  • Gottfried-Keller-Preis der Martin-Bodmer-Stiftung, mit dem Autorenkollektiv "Bern ist überall" (2013)
  • Förderpreis Komische Literatur der Stadt Kassel (2015)

Textausschnitt aus Hinter dem Bahnhof

«Protocol, sagt mein Bruder. Bis wir durchs ganze Dorf sind, haben wir fünfundzwanzig Häuser gezählt, acht Heustalls, eine Autogarascha, eine Töffgarascha, den Bahnhof mit der Poscht, zwei Brunnen mit Jahreszahl, die Halla und die Buda vom Tat, eine Telefoncabina, den Kiosk der Mena und vier Abfallconteiners. Als wir angelangt sind am anderen Dorfrand, gehen wir nochmals durchs Dorf und zählen die Leute, die im Dorf wohnen. Nicht zählen dürfen wir die Marionna vom Dorfladen, die nicht im Dorf wohnt, und auch nicht den Tonimaissen, der am Bahnhofschalter steht, aber auch nicht im Dorf wohnt. Es hat einundvierzig oder zweiundvierzig Einwohner. Wir wissen nicht, ob der Tini Blutt ein Mensch ist oder zwei. Das müssen wir noch herausfinden.«

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