Bundi Markus

Der Autor und Herausgeber Markus Bundi wurde am 7. August 1969 in Wettingen, Kanton Aargau, geboren. Er wuchs in Nussbaumen bei Baden auf und studierte nach Abschluss des Gymnasiums an der Universität Zürich Philosophie, Neue Deutsche Literatur und Linguistik. Bereits während des Studiums machte er erste Erfahrungen in der Arbeitswelt als Lehrer und als Sportredakteur des Badener Tagblatts. Von 1996 bis 2005 war er Kulturredakteur bei der Aargauer Zeitung (verantwortlich für Literatur und Philosophie, zeitweise für Theater). Seit 2005 unterrichtet er an der Alten Kantonsschule Aarau Philosophie und Deutsch. Das Vermitteln von Literatur lag und liegt ihm am Herzen, sei es als Lehrperson, sei es als Herausgeber von literarischen Werken oder sei es als Verfasser von Lehrmitteln für den Unterricht.. Markus Bundi war 2001 und 2002 Mitglied der Programmkommission für die Solothurner Literaturtage und wirkte 2007 als Kurator der Frauenfelder Lyriktage, von 2009 bis 2011 amtete er als Gesprächsleiter der Innsbrucker Wochenendgespräche. Seit 2010 betreut er als Herausgeber die REIHE im Zürcher Wolfbach Verlag, seit 2011 im Innsbrucker Haymon Verlag die Werkausgabe von Klaus Merz, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller der Schweiz. Seit Erscheinen seines ersten Gedichtbandes (AusZeiten, 2001) hat sich Markus Bundi als Lyriker und Autor von Prosa einen Namen gemacht. Bereits sein zweiter Band „lichterdings“ (2002) wurde vom Aargauer Kuratorium mit einem Förderbeitrag ausgezeichnet. Seine Lyrik zeichnet sich aus durch unaufgeregt gesetzte Worte, durch behutsame Metaphern und Wort-Zwischenräume, die zum Selberdenken anregen. Seine Bilder und Sätze präsentiert Bundi wie Preziosen. Mit der 2013 erschienenen Novelle „Emilies Schweigen“ legt der Autor erstmals einen Text vor, der sich an ein breiteres Publikum wendet. Ihm ist „eine merk- und denkwürdige Parabel auf die Unwägbarkeiten menschlicher Existenz […], die sich dem Planungsdenken entzieht“ (NZZ, 18. April 2013) gelungen. In knappem Erzählstil führt Bundi die Geschichte der Krankenpflegerin, die für den Tod von mindestens 47 Menschen im Altersheim verantwortlich sein soll, ohne Abschweifungen dem Höhepunkt zu. Markus Bundi lebt heute in Baden (Kanton Aargau).

Links
www.markusbundi.ch
www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/freitagsgast/markus-bundi-wir-werden-durch-sprache-manipuliert
www.srf.ch/player/radio/buchzeichen/audio/markus-bundi-ueber-kernfragen-des-lebens?id=a7c261f5-43e3-41df-9438-b3de9e483f0a
ansichten.srf.ch/autoren/markus-bundi/

Werke:
  • AusZeiten. Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2001
  • Lichterdings. Prosa und Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2002
  • Ohne Ach und Oh. 5 Gedichte. Meran: Offizin S., 2002
  • Entsichert. Gedichte. Eggingen: Edition Isele, 2004
  • 10 x 10 Texte verfassen. Verfassen und optimieren eigener Texte auf der Sekundarstufe 2. In Zusammenarbeit mit Andreas Neeser. Zofingen: Erle-Verlag, 2005
  • Die Schwerkraft im Gleichgewicht. Ein Essay zum Werk von Klaus Merz. Eggingen: Edition Isele, 2005
  • Neun Doppelschläge. Prosaminiaturen. Zürich: pink moon productions, 2005
  • Ausgezogen. Erzählungen. Bern: Edition Epoca, 2006
  • Das Grinsen des Horizonts. Prosa und Gedichte. Eggingen: Edition Isele, 2007
  • Totemtiere. 7 Gedichte. Meran: Offizin S., 2008
  • Von Unmittelbarkeit zu Unmittelbarkeit. Essay zum Werk von Christian Haller. Eggingen: Edition Isele, 2008
  • Sehrgeehrte und andere. Erzählungen. Eggingen: Edition Isele, 2009
  • Selbstauslöser. Gedichte mit Bildern von Jean M. Seiler. Zürich: Wolfbach, 2010
  • Aquagrafien und Aquagramme. Texte mit Fotografien von Matthias Dieterle. Zürich: Wolfbach, 2010
  • Gehen am Ort. Eggingen: Edition Isele, 2011
  • Dass Raubtiere gezähmt werden. Meran: Offizin S., 2012
  • Lektüren I. Begleitmaterialien zu ausgesuchten Werken der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In Zusammenarbeit mit Lara Dredge. Innsbruck: Haymon, 2013
  • Emilies Schweigen. Novelle. Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2013
  • Kleine Rolle rückwärts. Gedichte. Eggingen: Edition Isele, 2013
  • Die Rezeptionistin. Erzählung. Tübingen: Klöpfer und Meyer, 2014
  • Vom Verschwinden des Erzählers. Ein Essay zum Werk von Alois Hotschnig. Innsbruck: Haymon, 2015
  • Mann ohne Pflichten. Roman. Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2015
  • Des Möglichen gewärtigen. Ein Essay zum Werk von Klaus Merz. Innsbruck: Haymon, 2015
  • Planglück. Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2017

Auszeichnungen:
  • Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums (2002, 2005 und 2007)
  • Montblanc-Bolero-Shortstory-Preis (2008)

Textausschnitt aus "Emilies Schweigen" [S. 5, S.86 f.]

Das Nacherzählen nahm im Fall Emilie eine zentrale Rolle ein, denn David entzog - womöglich ausgelöst durch das Schweigen seiner Mandantin - jeglichem Erzählen das juristische Fundament. Ich meine, der Fall hat exemplarischen Charakter für das Dilemma, in dem sich die Rechtsprechung heute befindet. Die Mittel, die in einem Indizienprozess zur Anwendung kommen, sind sprachliche, die nicht etwa an Ereignisse, sondern an Vorstellungen gebunden sind.

[...]

David rückte die Krawatte zurecht, erklärte die Befragung für beendet und setzte sich. Er schloss die Augen, mahnte sich zur Konzentration und spürte die Blicke der andern.
Die jüngsten Ereignisse, und dazu gehörte auch die Diskussionsrunde im Fernsehen neulich, hatten die Aufmerksamkeit neu geschärft, und zwar auf ihn. Er, David, der Pflichtverteidiger von Emilie T., stand jetzt im Fokus, alle Scheinwerfer waren auf ihn gerichtet.
Das hätte er voraussehen müssen. Im Gegensatz zu ihm hatte Staatsanwalt Pichler diese Entwicklung antizipiert, seine Strategie geändert und lag nun auf der Lauer, versuchte sein Opfer, also ihn, in Sicherheit zu wiegen oder dann mit seiner defensiven Haltung aus dem Konzept zu bringen.
Emilie tat recht, indem sie nichts tat. Sie blieb sich treu - und also auch ihm. Den Staatsanwalt hatte er durchschaut, er, der Pflichtverteidiger, würde dem Konrahenten den Meister zeigen. Sein Verstand funktionierte, er, David, hatte die Zügel in der Hand, sass fest im Sattel, das spürte er, zumindest glaubte er es. Was denkt der Denker, wenn er denkt, dass er denkt, und David öffnete die Augen.

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