Bucher Werner

Werner Bucher wurde am 19. August 1938 in Zürich geboren. Er besuchte das Gymnasium. Nach der Schule war Bucher während vielen Jahren im Journalismus tätig, längere Zeit davon im Sport-Bereich. Seit 1974 gibt er die Literaturzeitschrift „orte“ heraus und ist Geschäftsführer des orte-Verlags, daneben engagiert er sich für den Literaturbetrieb als Mitorganisator des Appenzeller Literaturfestivals. Werner Bucher hat sich seit den Siebziger Jahren auch selber als Autor etabliert. Sein literarisches Werk umfasst zahlreiche Gedichtbände und Romane. Bucher lebt heute im appenzellischen Zelg-Wolfhalden und arbeitet neben seiner Herausgebertätigkeit als Wirt.

Links
www.wernerbucher.ch
www.woz.ch/artikel/inhalt/2008/nr19/Kultur/16322.html

Werke:
  • Nicht solche Ängste, du... Lyrik. Darmstadt: Bläschke, 1974
  • Eigentlich wunderbar, das Leben... Lyrik. Zürich: Classen, 1976
  • & jetzt das Glas, der Beton. Lyrik. Zürich: orte, 1976
  • Tour de Suisse. Rapport. Aarau: Sauerländer, 1977
  • Die Wand. Roman. Aarau: Sauerländer, 1978
  • Noch allerhand zu erledigen. Lyrik. Zürich: Pendo, 1980
  • Ein anderes Leben. Versuch sich einem Unbekannten anzunähern. Roman. Zürich: eco, 1981
  • Das bessere Ende. Lyrik. Zürich: eco, 1983
  • Denk an den Engel. Lyrik. Zürich: orte, 1987
  • Was ist mit Lazarus ? Roman. Bern: Erpf, 1989
  • Einst & jetzt & morgen. Lyrik. Zürich: Pendo, 1989
  • Mouchette. Lyrik. Frauenfeld: Waldgut, 1995
  • Wegschleudern die Brillen, die Lügen. Lyrik. Frauenfeld: Waldgut, 1995
  • Wenn der Zechpreller gewinnt. Lyrik. Zürich: Pendo, 1997
  • Kandidaten im Schatten der Liebe. Mit Jürgen Stelling. Lyrik. Zürich: orte, 1997
  • Unruhen. Roman. Herisau: Appenzeller Verlag, 1998
  • Im Schatten des Campanile. Herisau: Appenzeller Verlag, 2000
  • Weitere Stürme sind angesagt. Nachrichten aus Zürich, dem Appenzeller Vorderland etc. Gedichte. Herisau: Appenzeller Verlag, 2002
  • Du mit deinem leisen Lächeln. Gedichte. Frauenfeld: Waldgut, 2007
  • Spazieren mit dem gelbgrünen Puma. Frauenfeld: Waldgut, 2009
  • Rütegger-Gedichte. Oberegg: Orte, 2011

Auszeichnungen:
  • Anerkennungspreis Kt.Zürich (1975)
  • Ehrengabe Stadt Zürich (1976 / 1998)
  • Werkpreis Kt.Luzern (1979)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1979)
  • Werkjahr Kt.Zürich (1979)
  • Preis Kt.Zürich für Herausgabe von „Orte“ (1985)
  • Preis Kt.Zürich (1997)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1998)
  • Preis der UBS (1998)
  • Preis der Stadt Zürich (1998)

Textausschnitt aus "Im Schatten des Campanile" [S. 228-229]

Es ist kein von mir erstrebtes Ziel, ein demütiger Heiliger zu werden, der Krankheiten und Unfälle als von Gott geschickte Prüfungen wertet.
Ganz und gar nicht.
Als kleiner Bub und Ministrant von Pfarrer Hörler im Kirchlein von Schlatt habe ich dann und wann möglicherweise so gedacht, heute möchte ich eher ein Autor mit hohen Auflagen werden, einer, der Bücher herausbringt, auf die Leser und Leserinnen und vielleicht auch Kritiker warten.
Noch stärker wünschte ich mir freilich, dass meine Schmerzen nachlassen, im Rücken, im Bein, im Kopf.
Der Migräneanfall vor vier oder fünf Tagen ist die Hölle gewesen, dieses unaufhörliche Zusammenziehen im Kopf; und dazu schmerzten mich sämtliche Haare so stark, dass ich sie nicht berühren durfte.
Und dann die ewig fleckig werdende Haut, von all den Medikamenten, den Lichtstrahlen...
Das ist kein Leben.
Keines, keines!
Der gute, inzwischen alt gewordene Pfarrer Hörler mag da weiterhin am Sonntagvormittag im Kirchlein von Schlatt von Nächstenliebe und Verzeihen predigen, so oft er will, ich höre es nicht mehr, bin zu zornig auf vieles, zu schwermütig auch, zu sehr an den Rand gedrückt.
Oder bleibts nicht so?
Breche ich irgendwann aus meinem Gefängnis Montevecchia aus oder erweitere es ein bisschen?
Eine minimale Hoffnung, ein Wunsch aus der bedrückenden Schwüle, in diesen Sekunden ans Tageslicht geschlichen.
Mit letzter Energie hole ich mir in der Küche einen Chivas mit Eis, streife die Badehose über, trinke das Glas in wenigen Schlucken leer und steige ins Bassin. Lebendig werde ich bestimmt herauskommen.
Aber kaum weniger aufgeweicht, als ich hineinging.

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