Böni Franz

Franz Böni wurde am 17.6.1952 in Winterthur als Sohn eines Korrektors geboren. Er machte eine kaufmännische Ausbildung, war später Gehilfe eines Erfinders, ab 1973 freier Händler in Zug und ab 1979 freier Schriftsteller. Nach längeren Aufenthalten in Wien, Spanien, der Toskana, in Westberlin, Israel, Rom und New York lebt Böni seit 1989 wieder in Zürich. Von Anfang an zeichnet Böni in seinen Texten Aussenseiterfiguren, die an einer Welt mit totalitärem Charakter und menschenvernichtenden Strukturen scheitern und nicht zuletzt auch die Natur als Bedrohung erfahren müssen. Schon die Titel deuten es an: "Ein Wanderer im Alpenregen" (1979), "Der Knochensammler" (1980), "Alle Züge fahren nach Salem" (1984). Bis an den Rand der Erschöpfung sind Bönis Figuren auf der Suche nach irgendeinem Glück, nach Wärme und Geborgenheit. In "Die Residenz" (1988) steht die Hauptfigur Franz Kramer und seine Wanderung in die Residenzstadt zeichenhaft für die Verlorenheit dessen, der sich in dieser Welt nicht zurechtfinden kann, für den auch die Arbeit keinen Sinn hat und dem sich mit der Erfüllung gleichzeitig die Falschheit seiner Hoffnungen enthüllt.

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Werke:
  • Ein Wanderer im Alpenregen. Erzählungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1979
  • Schlatt. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1979
  • Hospiz. Erzählung. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1980
  • Die Wanderarbeiter. Zürich, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1981
  • Der Knochensammler. Erzählungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1981
  • Sagen aus dem Schächental. Stücke, Gedichte, Aufsätze und Erzählungen. Zürich: Ammann, 1982
  • Alvier. Erzählungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1982
  • Die Alpen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1983
  • Alle Züge fahren nach Salem. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1984
  • Der Johanniterlauf. Fragment. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1984
  • Die Fronfastenkinder. Aufsätze 1966-1985. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1985
  • Das Zentrum der Welt. Aufzeichnungen. Zürich: Ammann, 1987
  • Die Residenz. Zürich: Ammann, 1988
  • Wie die Zeit vergeht. Zürich / Villingen: Rauhreif, 1988
  • Am Ende aller Tage. Erzählungen aus fünfzehn Jahren (darunter folgende Erstveröffentlichungen: Tobias, Der Archivar, Jessica, Das Bergkloster). Frankfurt/M. : Suhrkamp, 1989
  • Die Wüste Gobi und andere Geschichten. Bern: GS-Verlag, 1990
  • Der Hausierer. Novelle. Bern: Erpf, 1991
  • Amerika. Bern: Erpf, 1992
  • In der Ferienkolonie. Vaihingen/Enz: IPa-Verlag, 2000
  • Geisterstadt. Roman. Edition Hartmann, 2002
  • Bisons im Winter. ein Reisejournal. Zürich: Novum publishing, 2011

Auszeichnungen:
  • Gastpreis der Literaturkommission des Kantons Bern (1979)
  • Werkpreis des Kantons Zürich (1979)
  • Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1980)
  • Förderungspreis zum Bremer Literaturpreis (1982)
  • Buchpreis des Kantons Zürich (1984)
  • Werkjahr der Luzerner Literaturförderung (1988)
  • Dienemann-Preis (1988)

Textausschnitt aus "Die Residenz" [S. 5]

Nach dem Doppelselbstmord seiner Eltern wurde Franz Kramer auf den Hof der Grosseltern nach Toblach gegeben. Hier fand er sich inmitten eines grossen Waschbetriebes, der im breiten Hof abgehalten und von der Grossmutter, einer stämmigen Frau, geleitet wurde. Ohne besondere Aufsicht sass er auf seinem Strohstuhl neben der Tür, sah die hohen Bottiche, die schrubbenden Weiber, am Boden eine grosse Schachtel OMO-Seifenflocken. Drei Bäuerinnen,unterstützt von ihren Töchtern, beugten sich über die Bottiche, wuschen auf den Waschbrettern, schrien und riefen; der Boden war vom überschwappenden Wasser genässt.

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