Arx Katharina von

Katharina von Arx, offiziell Edith Katharina Drilhon-von Arx, wurde am 5. April 1928 in Niedergösgen (Kt. Solothurn) geboren. Ab 1933 lebte die Familie in Zürich, wo von Arx die Schulen besuchte und nach der erfolgreichen Töchterhandelsschule 1947 ihr Diplom entgegennehmen konnte. 1952/53 war Katharina von Arx in der Zeichenklasse an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, ehe sie allein und nur mit wenig Geld zu einer Weltreise aufbrach. Während der Reise fertigte sie Bilder und Zeichnungen an und schrieb zahlreiche Artikel. Die Texte hat sie nach ihrer Rückkehr zu Büchern für Jugendliche und auch für Erwachsene zusammengestellt. Von 1956 bis 1958 besuchte von Arx die pazifische Inselwelt. Auch diese Reiseerfahrungen hat sie in Reportagen und Büchern festgehalten. In den Sechziger Jahren kaufte die Journalistin und freie Autorin sich in Romainmôtier eine Ruine, die sie während mehr als dreissig Jahren restauriert und zu einem Schloss umgebaut hat. Das „Luftschloss auf Erden“ wurde für Katharina von Arx zum Kraftort und Zentrum der literarischen Inspiration. Neben ihrer Arbeit am Schloss führte von Arx ein graphisches Zentrum mit Schreibwerkstatt, Druckerei, Buchbinderei und Papierwerkstatt. Am 25. Oktober 2013 starb Katharina von Arx 85-jährig in Romainmôtier/VD.

Werke:
  • Nehmt mich bitte mit! Eine Weltreise per Anhalter. München: Süddeutscher Verlag, 1956
  • Nichts hat mich die Welt gekostet. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1957
  • Inselabenteuer. Streifzüge durch die Inselwelt Australiens. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1960
  • Meine Inselabenteuer. Bern: Scherz, 1961
  • Mein Luftschloss auf Erden. Biographischer Roman. Bern: Scherz, 1975, Erweiterte Neuausgabe: Bern: Edition Erpf, 1981
  • Ich bin gern schuld an meinem Glück. Erzählungen. Frauenfeld: Huber, 1977
  • Engel aus der Schreibmaschine. Erinnerungen einer Luftschlossbesitzerin. Frauenfeld: Huber, 1979
  • Mein Tagebuch zum „Luftschloss auf Erden“. Auszüge. Bern: Erpf, 1982
  • Als er noch da war. Roman. Bern: Erpf, 1983
  • Mein Luftschloss in Wolken. Die Fortsetzung von „Mein Luftschloss auf Erden“. Kreuzlingen: Edition Erpf bei Neptun, 1988

Auszeichnungen:
  • Kulturpreis des Kantons Solothurn (1975)
  • Förderpreis Olten (1976)
  • Werkbeitrag der Goethe-Stiftung, Zürich (1976)
  • Werkbeiträge von Bund, Kt.Solothurn, Stiftungen, Unternehmen 1972-1987

Textausschnitt aus "Mein Luftschloss auf Erden" [S. 91-92]

Unser Schloss ist überhaupt kein Schloss; es war von Anfang an das Haus des Priors. Wir nennen es jedoch noch immer Schloss, weil es uns als Schlossbesitzer zwingt, in jeder Situation Haltung zu bewahren.
Wer in Romainmôtier das Schloss besitzt, ist mit einem Feuermal behaftet. „Die Baracke gehört angezündet statt verkauft“, hat der Armand im Café verkündet. Der Pfarrer machte dem Kirchwart schwere Vorwürfe wegen der Verkaufsförderung des Schlosses mit Museum: „Du hättest den Mund halten sollen im November.“ Und der Sattler schimpfte: „Warum hast du dir nicht an jenem Tag das Bein gebrochen, statt das Schloss zu verschachern, hättest dich ein paar Wochen in St. Loup ausgeruht, gehegt, gepflegt und ausgehalten von der Versicherung.“
„Pardon, punkto Geschäft kann ich dir verraten, dass mir die von Juriens ein Scherflein für die Vermittlung gegeben haben, und von den neuen Schlossherren bekam ich erst noch eine Flasche Champagner, und etwa nicht den letzten.“ Wie wohlfeil wir das gelbliche Getränk erstanden haben, ahnt der gute Kirchwart nicht, es ist auch nicht die erste Marke. Immerhin sprang der Zapfen bis zur Decke, und der Kirchwart war zufrieden. Wenn er erst wüsste, dass uns der Champagner am Tag der Aktvollziehung unser halbes Barvermögen gekostet hat, nämlich fünfzehn von unseren letzten dreissig Franken.
Aber das alles sind geheimzuhaltende Familienangelegenheiten. Der Nationalrat hat uns zum Abschied einen guten Rat auf den Weg nach Romainmôtier mitgegeben: „Sich nicht in Lokalgeschichten einlassen. Freundlich sein, doch unnahbar.“
Distanz wahren? Mit Distanz den Installateur um Stundung von 76 Franken bitten. Distanz fällt mir überhaupt äusserst schwer. Ich erzähle furchtbar gern mein Leben. Die Zuhörer sollen auch gleich wissen, wo ich hinaus will, damit sie auch da hinaus wollen; denn es ist doch selbstverständlich, dass ich das Rechte will und die anderen dies auch wollen sollen.
Ich befürchte jedoch, dass ich damit im Waadtland nicht durchkomme, und doch versuche ich geflissentlich den Rat des Nationalrats zu befolgen. Freundlich, aber mit Distanz schreiben wir der Bäuerin, sie möchte doch gefälligst das Gemüsebeet räumen, das sie seit Jahren auf unserem Landstrich anbaut, weil wir an dieser Stelle Bäume pflanzen wollten. „Hat man schon so etwas gehört“, heisst es im Café., „Baume auf dem Boden, den der Herrgott für die Nahrung schenkte, schon die Mönche pflanzten hier Gemüse, und erst recht die alten Berner. Dass man Städtern Land verkauft, die nichts davon verstehen...“
In Wirklichkeit glaubt kein Mensch an Bäume, wo noch nie Bäume gestanden haben, und schon gar nicht an Bäume ohne Früchte.

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