Arx Bernhard von

Bernhard von Arx wurde am 15. März 1924 in Zürich geboren. Er besuchte das Gymnasium und studierte Jurisprudenz, Germanistik, Geschichte und Didaktik an der Universität Zürich. Nach der Promotion zum Dr.phil. arbeitete von Arx als Gymnasiallehrer. Während vielen Jahren war er Dozent an der Volkshochschule Zürich und ständiger Lehrbeauftragter für Deutsch-Didaktik an der Universität Zürich. Bekannt wurde Bernhard von Arx mit diversen Radio- und TV-Produktionen in den Sechziger Jahren. Ab 1980 hat sich der Autor vermehrt dem historischen Roman und dem Schreiben von Theaterstücken gewidmet. Am 27. September 2012 ist Bernhard von Arx in Richterswil bei Zürich gestorben.

Werke:
  • Der Fall Karl Stauffer. Biographischer Roman. Bern: Hallwag, 1969
  • Nacht und Morgen. Theater. Zürich: 1978
  • Fremdling im eigenen Haus. Roman. München: Steinhausen, 1980
  • Karl Stauffer und Lydia Welti-Escher. Chronik eines Skandals. Bern: Zytglogge, 1992
  • Marie Barmettler oder Der Sinn. Historischer Roman. Zürich: Weltwoche-ABC, 1997
  • Der arme Konrad. Theaterstück. Zürich, 2000
  • Die versunkenen Dörfer. Ferdinand Keller und die Erfindung der Pfahlbauer. Zürich: Unionsverlag, 2004
  • Konfrontation. Die Wahrheit über die Bourbaki-Legende. Zürich: NZZ, 2010

Auszeichnungen:
  • Verdienstkreuz der polnischen Exilregierung in London (1968)
  • Preis der STEO-Stiftung Zürich (1970)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1981)

Textausschnitt aus "Der Fall Karl Stauffer" [S. 100]

Von der Stadt her schlug es Mitternacht. Stauffer rannte über den Kiesweg dem dunklen Hause zu. Die halb im Gebüsch versteckten nackten Statuen schauten ihm nach. Jetzt stand er unter dem Fenster Lydias. Wie gelangte er hinauf? Durch die Tür? Lärm schlagen? Die Leute wecken? Nein – wozu hatte er geturnt, wofür besass er Muskeln wie kein zweiter? Da ragten die gusseisernen Stangen, dünne Säulen eher, die den hufeisenförmigen Umgang um den Freiluftspeisesaal trugen. An einem solchen Pfosten würde er hinaufklettern und sich oben über das Geländer schwingen. Dann nur noch wenige Schritte nach links, und er stand vor der Terrassentür Lydias. Sie würde Augen machen, wenn er, ein neuer Romeo, auf diesem Wege zu ihr kam und nicht wie ein braver Bürger durch die Zimmertür. Er würde sich den Weg bahnen, wo er wollte: der Liebe ein Gasse!
Die Wirklichkeit sah freilich prosaischer aus, obschon sich Stauffer den Vorgang nachträglich so zurechtlegte und ihn sogar in einem Gedicht in dieser Weise verewigte. Er kletterte nicht, sondern klopfte doch den Portier heraus, drückte dem Erstaunten eine solche Summe in die Hand, dass der Mann ihn nicht nur einliess, sondern ihm offenbar auch die Tür zu Lydias Schlafzimmer öffnete. Dass auch der brave Wirt Bonciani dabei behilflich war, lässt sich aus gewissen Äusserungen Stauffers nur vermuten, aber nicht beweisen.
Die Gattin Emil Weltis empfing Stauffer hochbeglückt. Das war in der ersten Morgenstunde des 11. Novembers 1889, eines Montags.

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