Bibliomedia Mitarbeitende lesen: Unsere Buchtipps vom 2012


Pionierin der Arktis
  Buchtipp von Béatrice Aegerter
Cornelia Gerlach: Pionierin der Arktis. München: Kindler Verlag, 2012

Die Lebensgeschichte von Jo Peary – ein spannendes Porträt über die erste Frau auf einer Polarexpedition. Eine vielschichtige Persönlichkeit, die nicht zu Hause händeringend und häkelnd auf die Heimkehr ihres abenteuerlustigen Mannes wartet. Sie begleitet ihn auf seinen Reisen und erliegt dabei dem Zauber des Eises. Die kleine gemeinsame Tochter Marie, liebevoll „the snowbaby“ genannt, brachte sie 1893 kaum 13 Breitengrade unterhalb des Nordpols zur Welt.
Freunde von Abenteuergeschichten werden das Buch mit Genuss verschlingen. Ebenso all jene, die sich für die Geschichte rund um die Polarforschung interessieren.





Leere Gräben


  Buchtipp von Bruna Arnold
Petra Ivanov: Leere Gräber. Herisau: Appenzeller Verlag, 2012

Als Polizeitaucher im Zürichsee einen Bootsmotor bergen sollen, finden sie zufällig die Leiche eines Mannes. Der Körper des Mannes wurde mit Hanteln beschwert, so dass ein Unfall ausgeschlossen werden kann. Staatsanwältin Regina Flint und ihr Partner, Kriminalpolizist Bruno Cavalli schalten Interpol ein, da der Mann in der Schweiz nicht vermisst wird. Schliesslich stellt sich heraus, dass es sich um den argentinischen Journalisten Ramon Penossa handelt, der vor sechs Monaten spurlos verschwunden ist.
Bald zeigt sich, dass Penossa vor seinem Tod in Argentinien über illegale Adoptionen recherchiert hat und ihn die Spuren in die Schweiz geführt haben.
Die Aufklärung des Falles gestaltet sich als schwierig, denn die Zusammenarbeit mit Südamerika ist nicht einfach und zudem muss die Abteilung Kapitalverbrechen gleichzeitig eine Serie von Bootsbränden rund um den Zürichsee aufklären.
Petra Ivanov hat einen sehr spannenden und aufwendig recherchierten Krimi geschrieben, der die Ermittler bis nach Südamerika führt. Geschickt baut sie Personen (Praktikantin Vera Haas und Kriminaltechniker Martin Angst) aus einer anderen ihrer Serien (Angst, Haas und ...) ein.
Die privaten und beruflichen Probleme der Protagonisten machen das Buch sehr menschlich und man hofft bis zuletzt, dass sich alles zum Guten wendet. Die Thematik rund um das Thema illegale Adoptionen beschäftigten mich noch lange






Oh no George!
  Buchtipp von Sabine Hofmann
Chris Haughton: Oh No, George! London: Walker Books, 2012

Seit ich bei Bibliomedia arbeite, begleiten mich nicht nur Romane und Krimis regelmässig mit nach Hause, sondern immer öfter auch Bilderbücher. Dieses Jahr hat es mir George ganz besonders angetan; schon das Titelbild ist herzerwärmend: Langohr-Hund guckt einen direkt mit grossen, unschuldigen Kulleraugen an.
George (dessen Rasse für mich undefinierbar bleibt) möchte gerne brav sein. Allein gelassen zu Hause, kann er jedoch etlichen Verlockungen nicht widerstehen. So frisst er den Kuchen vom Küchentisch, jagt de Katze durch die Wohnung und wühlt mit Hingabe im Blumenkasten. Als George’s Herrchen nach Hause kommt, trifft dieses auf chaotische Zustände. George hat nun ein furchtbar schlechtes Gewissen und schenkt seinem Herrchen demütig und beschämt sein Lieblingsspielzeug. Als Hund und Herrchen sich auf einen Spaziergang begeben, bieten sich George erneut viele Versuchungen. Doch dieses Mal steht George über den Dingen. Oder etwa doch nicht?
Fazit: Ein Bilderbuch, das man immer wieder gerne hervornimmt. Es besticht mit seinen Illustrationen und begeistert Jung und Alt.
      



Arabischer Frühling
  Buchtipp von Sabine Hofmann
Tahar Ben Jelloun: Arabischer Frühling : Vom Wiedererlagen der arabischen Würde. London: Bloomsbury, 2011

Kurzweilig und informativ berichtet Tahar Ben Jelloun über die kulturellen und historischen Hintergründe der Revolution in den Ländern Tunesien, Ägypten, Algerien, Jemen, Marokko und Lybien, die im Februar 2011 in Tunesien durch die Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi ausgelöst wurde. Nur zehn Tage nach dem Tod von Bouazizi trat der tunesische Staatspräsident Ben Ali zurück und entfachte damit einen Flächenbrand in der arabische Welt, der die gewachsenen politischen und gesellschaftlichen Strukturen für immer verändern wird.

Wer sich für die Umwälzungen im Nahen Osten und deren Vorgeschichte interessiert, dem sei dieser Titel als äusserst lesenswerte Lektüre wärmstens empfohlen.






Aus den Fugen
  Buchtipp von Claudia Kovalik
Tim Flach (Fotos); Lewis Blackwell (Text): Ganz nah : Porträts von Tieren. München: Knesebeck, 2012

Das Buch „Ganz nah : Porträts von Tieren“ hat unser ganzes Bibliomedia-Team begeistert. Wir alle kennen wunderschöne Bildbände über die Tiere dieser Welt, über bedrohte Tierarten, über die Lebensräume der Tiere von der Tiefsee bis zum Polarkreis. Das Buch des Fotografen Tim Flach aber ist so speziell, dass es aus der Menge der bekannten Tierbücher geradezu heraussticht.
Keines der im Bildband abgebildeten Tiere ist in seiner natürlichen Umgebung fotografiert worden, im Gegenteil: Tim Flach setzt die verschiedensten Tierarten kunstvoll vor einem neutralen Hintergrund – vorzugsweise pechschwarz – in Szene.
Obwohl die meisten seiner tierischen Protagonisten in einem Studio aufgenommen wurden, zeigen die Bilder in all ihrer Schönheit eine eindrückliche Fülle natürlicher Verhaltensweisen.
Beim Blättern stösst man auf so ungewöhnliche Tiere wie eine Totenkopfschabe in Nahaufnahme, einen stolzen Truthahn, eine Gepunktete Wurzelmundqualle, eine fluoreszierende Hausmaus, den lustig aussehenden Axolotl (eine Schwanzlurchart) sowie einen Liger (eine Kreuzung zwischen einem Löwenmännchen und einem Tigerweibchen).
Die wunderbaren Formen und Farben der Tiere und die kunstvollen Bildkompositionen faszinieren den Betrachter und regen zum Nachdenken an. Die Texte von Lewis Blackwell bieten zudem zahlreiche Hintergrundinformationen zu den Tieren sowie zur Arbeitsweise des Fotografen.
Da aber jede noch so gute Beschreibung des Buches den wundervollen, ästhetischen Fotos nicht gerecht wird, bleibt mir am Schluss nur zu sagen: dieses Buch muss man einfach selber gesehen haben!



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