Lesen und Schreiben – (k)eine Selbstverständlichkeit?!

6. Bibliomedia-Bibliothekstreff in Solothurn

Obwohl Menschen, die von Illettrismus betroffen sind, nicht zu den direkten Zielgruppen von Bibliotheken gehören, trafen sich am 23. August 2012 rund 50 Bibliothekarinnen im Bibliocenter Solothurn von Bibliomedia Schweiz und liessen sich über Tatsachen und Auswirkungen eines Phänomens informieren, das schwerwiegende Folgen für die davon Betroffenen, aber auch für unsere ganze Gesellschaft hat.
Brigitte Aschwanden und Mariangela Pretto vom Verein Lesen und Schreiben führten engagiert anhand vieler Daten und Fakten ins Thema ein. Aufgelockert wurde ihre Präsentation von Sequenzen aus dem Dokumentarfilm „Boggsen“, in dem Menschen von ihren Schwierigkeiten im Umgang mit Schrift berichten und erzählen, wie sie den Weg in die vom Verein Lesen und Schreiben angebotenen Kurse gefunden haben.
Den Einstieg in den Nachmittag machte Ruth Fassbind mit einem Blick über die Grenze nach Deutschland, Österreich und Canada/USA. Engagieren sich Bibliotheken im Ausland in Sachen Illettrismus, tun sie dies in Verbindung mit Institutionen resp. Spezialisten, die ihr spezifisches Fachwissen einbringen. So verfügen z.B. New Yorker Bibliothekssysteme über eigene „learning center“, die einerseits Englischkurse für Migrant/innen anbieten, andererseits aber auch Grundkenntnisse in Lesen und Schreiben vermitteln. Die Stadt Linz (Österreich) hat für ihre Stadtbibliothek und die Volkshochschule den „Wissensturm“ gebaut. Die Führung beider Betriebe liegt in einer Hand. Dies erlaubt es, beide Bereiche gezielt zu entwickeln und Synergien zu nutzen.
Vernetzung und Zusammenarbeit auf lokaler Ebene waren denn auch die Schwerpunkte bei der anschliessenden Arbeit in Gruppen. Bibliotheken können die Bevölkerung mit der von Bibliomedia angebotenen Ausstellung zum Thema Illettrismus, mit Flyern des Vereins Leben und Schreiben sowie mit Artikeln in der Lokalpresse für die Thematik sensibilisieren. Auch eine Zusammenarbeit mit den Kursleitern ist sinnvoll (Besuche in der Bibliothek, Unterstützung von Kursteilnehmer/innen etc.). Einmal mehr zeigte sich, dass Bibliothekarinnen mit Fantasie und Engagment nach pragmatischen Lösungen suchen.

» Präsentation von Mariangela Pretto und Brigitte Aschwanden
» Präsentation von Ruth Fassbind (pdf)
» Illettrismus-Ausstellung
» Literaturliste (pdf)